Epische Langsamkeit in kräftigen Bildern musikalisch verdichtet - der hl. Franziskus in Salzburg

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Olivier Messiaen Francois d‘Assise Salzburger Festspiele 12.8.2026

Epische Langsamkeit in kräftigen Bildern musikalisch verdichtet - der hl. Franziskus in Salzburg

Eine besondere Würdigung erhält dieses Jahr der französische Komponist Olivier Messiaen bei den Salzburger Festspielen. Neben einem vierteiligen Konzertzyklus, unter anderem mit dem unlängst im Streit geschiedenen ehemaligen Intendanten Markus Hinterhäuser, steht insbesondere dessen einzige Oper Saint Francois d‘Assise im Fokus des internationalen Interesses.

Das über sechs Stunden dauernde dreiaktige Werk (inkl. zwei Pausen) erzählt in acht Tableaus das Wirken des vor 800 Jahren geborenen Heiligen, der dieses Jahr besonders geehrt wird. Das Libretto wurde auf religiösen Texten basierend auch von Messiaen geschaffen. Seine Musik ist ausdrucksstark und wirkt aus revolvierenden Blöcken zusammen gesetzt. Die Gesangslinie ist schmal, zumeist wirkt sie wie erzählerischer Sprechgesang von den Streichern in der Linie zurückhaltend begleitet. Daran knüpfen sich impulsive farbenreiche orchestrale Teile, jeweils einer Instrumentengruppe zugeordnet. Das konstruktive Gebäude fließt ohne wirklichen Höhepunkten zustrebend. Die Musik besticht durch Farbigkeit und Rhythmus, wenige Motive, wie eine aufsteigende Fanfare, kehren immer wieder, kaum entstehen Melodien.

Die Orchesterbesetzung ist umfassend, zwei großere Gruppen von Schlagzeug sind jeweils an den Seiten der breiten Bühne in der Salzburger Felsenreitschule postiert. Der Ablauf ist rhythmisch flott und baut betörende Klangwelten auf. Die Wiener Philharmoniker zeigen sich auch zeitgenössischer Musik in hoher Präzision aufgeschlossen. Sie werden von Maxime Pascal klar im Takt geschlagen geführt. Er hält besonnen das Geschehen beisammen, setzt Akzente in Lautstärke und Volumen. Gestalterisch arbeitet er auch an lyrischen Momenten.

Minimalistisch ist die Bühne von Romeo Castelucci gestaltet. Er nutzt die Breite, um Geschehen durch Bewegung zu beleben. Franz von Assissi entsagt seiner bürgerlichen Welt und legt hinter einer Glaswand seine Kleidung ab. In weißen oder schwarzen Kutten bildet er seine Mönchsgesellschaft. Das Klosterleben wird mit Brotbacken oder Töpfern lebendig. Begegnungen mit einem Engel oder einem Aussätzigen nehmen breiten Raum ein.

Olivier Messiaen ist als passionierter Vogelbeobachter, auch wissenschaftlich in die Geschichte eingegangen. Er sammelte unzählige Vogelstimmen auf Band. Diese sind umfangreich in sein Werk eingeflossen. So nimmt die Vogelpredigt auch in der Handlung einen zentralen Platz ein. Castelucci bringt auch Tiere lebendig auf die Bühne vom Wolf, über Pfau und Schafen.

Mit ausgefeilter Lichtregie zeichnet er auch bewegende Stimmungsbilder. Seine Kostüme sind schlicht, zumeist einfarbig. Insgesamt ist das Konzept stimmig, geht auf Text und Musik ein. Seine Regie setzt Akzente und beleuchtet auch innere Zwänge und Bestimmungen des Heiligen.

Darstellerisch leisten die Mitwirkenden ausserordentliches. Allen voran Philippe Sly in der Titelrolle. Ermüdet von den Anforderungen aus Proben und vorangehenden Aufführungen lässt er sich vor dem zweiten Teil indisponiert ansagen, bleibt aber souverän insbesondere im Spiel. Hier wird der Heilige immer wieder hin und hergeschoben, ja förmlich gerissen und gestossen. so muss er einiges an körperlichen Einsatz meistern, um gleich wieder in ruhigen andächtigem Gesang fortzufahren. Lauranne Oliva ist ein klarer höhensicherer Engel, Sean Panikkar gibt dem Aussätzigen, von einem abgemagerten Statisten dargestellt, seine weiche Stimme.

Insgesamt sind alle Rollen mit Stimmen passend und vielfältig besetzt. Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor singt seinen Part von Jozef Chabron bestens einstudiert aus dem Off. Die Größe des Chores beeindruckt zum Schlussapplaus. Dieser ist nach sechs Stunden kurz vor MItternacht überschwenglich und ausdauernd. Das Publikum zeigt sich von der Wirkung des Werkes wie elektrisiert.

Dr. Helmut Pitsch

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