Elisir d'Amore im Sferisterio - Humorvolle Strandparty mit Witz und einem Schuss Sex

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Viel zu sehen und zu hören gibt es in dieser gelungenen Neuinszenierung von Damiano Michieletto für das Macerata Opera Festival. Er verwandelt die mit 110 Metern wohl längste Operbühne der Welt zu einem typischen Mittelmeerstrand, so wie wenige Kilometer entfernt das wirkliche Leben an der Adria toben könnte. Sonnengebräunte Körper in bunten Strandkleidern, die obligatorische Sonnenbrille auf der Nase und den Sonnenhut am Kopf zieht die Dorfgesellschaft ausgelassen zu Beginn am Strand ein. Bar, Strandliegen, Sonnenschirme und Bademeister Nemorino inklusive. Adina räkelt sich auf der Liege und Belcore präsentiert seinen fast Waschbrettbauch unter der Dusche den lustvollen Frauen. Filmreif der Auftritt Dulcamaras als Verkäufer von Energiedrinks im Jeep, von flotten Verkäuferinnen in Shorts und roten Perücken begleitet. Einfallsreich lässt der Italiener die handelnden Personen miteinander spielerisch umgehen. Grenzwertig ist die aufgeblasene überdimensionale Hochzeitstorte, die die Strandggäste in ihrer Phantasie nochmals anheizt und die folgende Schaumparty nahezu orgiastisch feiert. Mittendrin Dulcamara, den die erfolgreiche Wirkung seines Trankes sichtlich freut. Ruhe kehrt ein für Nemorinos leidvollen Auftritt. Auf dem Dach der Strandbar im Mondlicht lässt er seiner flüchtigen Träne freien Lauf. John Osborn brilliert mit lyrischer weicher Stimme, leicht eingefärbt und technisch sicher in der Mitte und auch in der Höhe. Die Nuance Wehmut wechselt er mit Hoffnung und Selbstbewusstsein. Sicher ist sein Italienisch und treffsicher gleitet er die anspruchsvollen Läufe auf und ab, hörbare feine Zwischentöne gehören dazu. Stürmischer Applaus lässt ihn seine Arie wiederholen. Kess und frech Mariangela Sicilia als begehrte verwöhnte Adina. Äußerlich zierlich und gutaussehend ist ihr Sopran hell und präsent. Jugendlich wirkt er mit großem Stimmvermögen. Ihre Koloraturen schrauben sich Ton für Ton in die Höhe, etwas Druck ist von Nöten. In der Mitte und Tiefe bleibt die Stimme klein und hüllenlos. Alex Esposito verkauft lautstark seinen Trunk mit vollem Volumen in der Tiefe und weiß mit den Grenzen seiner Stimme in der Höhe umzugehen. Seine Spielleidenschaft ist ihm anzumerken. Iurii Samoilov zieht zurecht viel Aufmerksamkeit auf sich. Sein Belcore gelingt gut gewürzt zwischen Playboy und coolem Helden. Flexibel setzt er seine Stimme ein und schafft Volumen und Farbe. Dabei spielt er Macho und romantisch Verliebten nah beieinander. Francesco Lanzillotta gelingt es dem Treiben auf der Bühne musikalische Umrahmung und Unterstützung zu geben. Den überall agierenden Chor steht er bei und gibt präzise die Einsätze. So mancher Zitterer im Orchester schleicht sich ein aber Schwung und Fluss sind ungetrübt. Das reizvolle Sferisterio, ein traditionsreiches Sportstadium erfordert wohl abgestimmtes Dirigat um Verzerrungen zu vermeiden. Der musikalische Leiter der Festspiele hat diese im Griff. Das Orchestra Regionale delle Marche lebt Italieneta im Musizieren. Leicht getrieben aber doch genießerisch wirkt der Klang, die vollen romantischen Stellen auskostend. Das Publikum folgt begeistert und in bester Stimmung. Viel Beifall belohnt alle Beteilgten.

Helmut Pitsch

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