Elektra - Spannendes Familiendrama in Dresden

Xl_b7ce0ffc-3139-4a6f-a15c-62c2a2e1d509 © Mathias Creutziger

Richard Strauss Elektra Semperoper Dresden 29.3.2024

Elektra - Spannendes Familiendrama in Dresden

"Gerechtigkeit ist das Fundament der Herrscher", dieser Spruch prangert golden über dem Tor des Königspalastes in Mykene. Gerechtigkeit für den ermordeten Vater Agamemnon sucht Elektra, die vom Palast verstoßene Tochter wie eine rachsüchtige Wahnsinnige kauernd in einer Mauernische. Die Palastfassade ist schmucklos, nüchtern, ein Balkon über dem Tor lockert die massive Front auf. Ein paar Bauelemente sind an der Fassade angelehnt bzw am Boden gestapelt, hier sind Veränderungen im Laufen. Diese Veränderungen erhofft Elektra durch die ersehnte Rückkehr ihres Bruders Orest, der die für den Mord am Vater verhasste Mutter und ihren neuen Lebensgefährten töten soll. Muriel Gerstner schuf dieses düstere kalte Bühnenbild für Barbara Frey, der Regisseurin dieser Inszenierung aus 2014 von Richard Strauss Oper Elektra. 

Sie zeigt die Oper modern, sieht den Bezug zu den Weltkriegen und der Nachkriegsgeneration. Für Frey ist Elektra eine zerrissene, unentschiedene depressive Antiheldin, hilflos im Trauma. Die Personenregie wirkt statisch ohne emotionale Regungen. Nach erfüllter Rache liegt Elektra spastisch am Boden und roppt zum Orchestergraben. Im Einklang mit der tosenden Musik bricht sie Tod zusammen.

1909 erlebte dieses an Klangvielfalt mächtige Werk seine Uraufführung hier in diesem Opernhaus. Zuerst zwiespältig aufgenommen wurde schnell die bahnbrechende Modernität der Musik anerkannt und die Oper ist ein zentrales Werk der zeitgenössischen Musik. Strauss spielt meisterhaft an den Grenzen der klassischen Kompositionslehre, reizt Harmonien aus, Rhythmik wird ein wichtiges Gestaltungsmerkmal. Die Instrumentierung ist vielschichtig in großer Orchesterbesetzung. Den gewaltigen Klangkörper führt an diesem Abend Marc Albrecht mit großer Neigung zu Fülle und Lautstärke, die gehaltvolle Motivik des Werkes ist kaum herauszuhören, mehr Gestaltung wäre wünschenswert gewesen. Dafür entwickelt er Spannung mit deutlichen Pausen, wuchtvollen Akkorden und schwer lastenden tänzerischen Rhythmen, die Tragödie schiebt sich unaufhaltsam weiter.

Das Sängerensemble ist gut abgestimmt gewählt. Lise Lindstrom ist eine jugendliche, fast teenagerhafte Elektra, die ihre Unsicherheit, Unerfahrenheit dominant spielt. Ihr Sopran ist lyrisch, zeigt weniger die trotzige Dramatik als die hilfesuchende Pubertät, gut austariert in der Szene mit Doris Soffel als herzlose Mutter Klytämnestra. Soffel zeigt ihre schauspielerische Routine und Bühnenpräsenz. Ihr Mezzo klingt ausgeglichen und beweglich. Gabriela Scherer gibt ihr Rollendebüt als Chrysothemis und gefällt mit ihrer lyrischen gut führten Stimme. Jürgen Müller bleibt ein farbloser Aegisth in seinem kurzen Auftritt. Ernst und kühl bleibt John Lundgren als heimkehrender Orest, die zwanghafte Bestimmung mit heldenhaftem Bariton im Fokus.

Großer Beifall und Zuspruch im Publikum

Dr. Helmut Pitsch

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