Eine Ode für Beethoven und Schubert in einem Konzertzyklus bei den Tiroler Festspielen

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Tiroler Festspiele Konzert am 27.7.2021

Eine Ode für Beethoven und Schubert in einem Konzertzyklus bei den Tiroler Festspielen

Viele Feierlichkeiten für das 250 Jahre Beethoven Jubiläum fielen Corona zum Opfer und werden nun nach Lockerung der Beschränkungen nachgeholt. So auch bei den Tiroler Festspielen in Erl. Hier wird der große Komponist mit der Aufführung seiner Fünf Klavierkonzerte gewürdigt. An drei Abenden präsentieren die Camarata Salzburg unter der Leitung von Andrew Manze und der englische Pianist Paul Lewis ihre Interpretation, umrahmt mit symphonischen Werken von Franz Schubert. Eröffnet wird der Reigen mit der Ouvertüre C Dur DV 591. Angespornt vom Rossini Fieber in Wien nach der Aufführung dessen Werke und der Begeisterung für dessen Ouvertüren näherte sich Franz Schubert dessen Kompositionsstil und schuf diese Ouvertüre im italienischen Stile. Leichtigkeit, Frische und Spritzigkeit entziehen diesem Werke aber nicht die fundierte symphonische Ausarbeitung und Instrumentierung. Andrew Manze findet in seinem gestenreichen Dirigat ohne klare Einsätze nicht zur Tiefe des Werkes und jagt die Musiker regelrecht durch die Partitur. Einsätze verschwimmen und die Ausgestaltung bleibt flach obwohl das Orchester allen voran der Kapellmeister nervös auffallend den Takt mit dem Fuss schlägt.

Paul Lewis war bereits öfters zu Gast in Erl. Sein differenziertes gefühlvolles Spiel hat Eindruck hinterlassen wie der volle Konzertsaal belegt. Der Entwurf zum zweiten Klavierkonzert B Dur op 19 ist eigentlich der Start für alle Klavierkonzerte, fertiggestellt wurde es aber nach dem ersten und Beethoven war nicht allzu glücklich mit dieser Schöpfung. Auch heute ist seine Beliebtheit hinter den anderen Konzerten. Noch ist die Nähe zu Mozart und der klassischen Sonatenform in den drei Sätzen spürbar. Aber das Genie ist bereits in Ansätzen erkennbar. Mit den beiden ersten Klavierkonzerten stellte sich Beethoven sowohl als Komponist als auch Solist der breiten Öffentlichkeit vor.

Der Eingangssatz des zweiten Konzertes arbeitet mit zwei Themen. Rhythmus steht Melodie gegenüber. Die Kadenzen hält Lewis im schlichten Variationstil. Ausgreifende Läufe wirken virtuos und fordernd. Gefühlvoll ruhig medidativ gelassen ist der zweite Satz. Bevor es im Schlussrondo zackig vorangeht. Militärisch zackig liegt dem Dirigenten, der auch hier wieder großräumig gestikuliert und zuwenig auf die Musiker eingeht. Das wirkt sich Im holprigen Zusammenspiel von Orchester und Solist, welches Lewis in seiner glänzenden Interpretation vergessen lässt. Nach der Pause gelingt mit dem vierten Klavierkonzert G Dur op 58 eine zündende Gestaltung des beliebten Werkes. Munter sind die Rhythmen, intensiv die Herausarbeitung der Motive und die variantenreiche Verknüpfung. Paul Lewis nimmt das Orchester mit und wirkt auf Tempo und Lautstärke ein.

Das begeistert applaudiere Publikum wird mit einem Solostück von Franz Schubert vom Solisten als Zugabe belohnt.

Dr. Helmut Pitsch

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