Eine Huldigung an die Meister und Künstler - Die Oper Graz startet neu in die Saison

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Kaum wurden die Lockerungen veröffentlicht tritt die Oper Graz aus der Starre und bietet seinem Publikum einen reichhaltigen Kunstgenuss aus Oper, Ballett, Lied und Konzert.

Musenkuss, ein Abend mit dem Ensemble nennt sich ein mehrfach wiederholter Programmpunkt des Junispielplans. Charmant moderiert die Intendantin Nora Schmid durch einen wohl durchdachten, musikalisch hochwertigen Arien und Liederabend mit ausgewählten jungen Sängern und Sängerinnen ihres Hauses. Die künstlerische Gestaltung des prachtvollen Zuschauerraumes des Grazer Opernhaus nimmt sie zur thematischen Inspiration und erklärt so auch gleich locker nebenbei die Preziosen des Hauses. Reliefs mit Themen der griechischen Mythologie, Portraits der grossen Komponisten aber auch der Dichter, wie Goethe, Schiller oder Shakespeare fliessen in der verbalen Programmerläuterung unterhaltsam ein, genauso wie die Deckengemälde mit Opernausschnitten aus Wilhelm Tell (zur Eröffnung des Opernhauses), Lohengrin oder Faust.

So ist die Anmoderation ebenso kurzweilig wie auch informativ und die jungen Künstler und Künstlerinnen, abwechselnd begleitet von drei Pianisten, Orgel oder Harfe zeigen mit Freude, Verve und Konzentration ihr Können und Talent.

Allen voran gewinnt der international erfolgreiche Haustenor Pavel Petrov viel Beifall für eine lyrisch melancholisch angelegte Arie des Lenski aus Peter Tschaikowskys Eugen Onegin "wohin, wohin seid ihr entschwunden", sowie für das beliebte Duett des Nadir und Zurga aus den Perlenfischern von Georges Bizet, gemeinsam mit Dariusz Perczak. Bravi sind vorbestimmt. Aber auch der Bass Wilfried Zelinka punktet mit einem stimmungsvoll und ausdruckstarken Liedgesang bei Franz Schuberts "An die Musik" oder Ludwig van Beethovens humorvollen Flohlied op 75/3. Kräftige Signale setzt Tetiana Miyus mit der Arie der Corinna aus Gioacchino Rossinis "Reise nach Reims", wobei ihr die Koloraturen nicht geschmeidig gelingen. Mareike Jankowski überzeugt stimmlich als Eboli in Giuseppes Verdis Arie "O don fatale". Den Zugang zum Publikum findet rasch Ivan Orescanin mit einer farblich geschickt angelegten Interpretation der Arie des Pierrot aus Erich Wolfgang Korngolds wiederentdeckten und nun häufiger gespielten Oper Die tote Stadt. Sein Sehnen und sein Wähnen wirken echt und gefühlt. Die junge Sopranistin Eva Maria Shmid zeigt eine kraftvolle und höhensichere Stimme in einem Lied von Franz Schubert, aber umso mehr in einer Klavierfassung des Brautchor aus Lohengrin von Richard Wagner, von ihm selbst komponiert. Im Finale gibt es noch einen Schuss Operette und in einem beschwingten Ende entlässt der Tenor Mario Lerchenberger mit Schmelz und David Mc Shane mit Gestik zu "Schlag nach bei Shakespeare" aus Cole Porters Erfolgsmusical Kiss me Kate das nur mit Abstand zugelassene Publikum, das sich auf Parkett, Balkon und einigen Logen spärlich zugelassen, verteilt.

Aber es ist ein Zeichen, ein freudiges wieder Aufstehen nach harten Zeiten für das Kulturleben, die leider noch nicht ausgestanden sind. Dafür spendet das Publikum viel freudigen anerkennenden Beifall.

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