© Werner Kmetitsch
Wolfgang Amadeus Mozart Die Zauberflöte Mozartwoche Salzburg 23.1.2026
Eine Hommage - Zuviel Mozart zuwenig Zauberflöte zur Eröffnung der Mozartwoche
Historisch belegt, ranken sich verschiedene Erzählungen zu Mozarts letzten Stunden, die ihn mit einer Aufführung seiner meistgespielten Oper Die Zauberflöte in Verbindung bringen. Er wähnte sich im Zuschauerraum, verfolgte die Sänger und den Handlungsablauf im Delirium - laut verschiedener Zeitzeugen. So schildert auch der Regisseur und Intendant der Mozartwoche Rolando Villazon seine Herangehensweise an die Aufgabe und gleichzeitig auch den Brückenschlag zur Feier 270 Jahre Mozart. Nur steht nicht die Geburt, sondern die Umstände des Todes im Mittelpunkt, den der Mexikaner in seine Regiearbeit einzuflechten versucht.
Zu Beginn erlebt das Publikum der diesjährigen Mozartwochen Premiere Wolfgang Amadeus Mozart am Klavier, am Requiem arbeitend. Die Handlung der Oper greift immer mehr in der häuslichen Umgebung Mozarts um sich. Tamino kommt aus der Standuhr, Papageno aus dem Kleiderschrank. Es häufen sich an diesem Abend , wie beim umtriebigen Villazon zu erwarten, einige originelle Ideen aber die zwei Ebenen - das (Ab)- Leben Mozarts und Handlung der Zauberflöte - kommen nicht wirklich zusammen. Beides bleiben Torsi, die mit dem Tod und der „Himmelfahrt“ des toten Komponisten enden - sensationslüsternd aber kommt es zu dessen Auferstehung und er dirigiert hängend vom Schnürboden stürmisch das Finale.
Auch Bühne und Kostüme setzen sich mit dem Regiekonzept auseinander. Wir sehen das Interieur der einfachen ärmlichen Wohnung der jungen Familie Mozart mit einfachen Holzmöbeln, Metallbett, Klavier und Standuhr. Immer wieder sind Constanze Weber, Mozarts Frau und seine Söhne Teil des Geschehens. Handlungsorte der Oper, wie Sarastros Tempel kommen nicht vor. Die Kostüme entsprechen der Zeit sowie Beschreibungen der Ausstattung zur Uraufführung. So tritt die Königin der Nacht mit einem übermächtigen dunkelblauen Rock mit glitzernden Sternen auf, das nächtliche Firmament wiedergebend. Die Sklaven von Manostatos sind Kopien Mozarts mit übergroßen Köpfen und roten barocken Uniformen. Pamina trägt ein blaues Kleid, besetzt mit Notenblättern, Tamino in weißer Montur die Reinheit widerspiegelnd. Papageno trägt bunte Leggings, seine Oberkleid ist mit Federn besetzt. Bunt sind auch die Priester in ausladenden Gewändern.
Schwungvoll und locker gleitend führt Roberto González-Monjas das Mozarteumorchester Salzburg. Die Vertrautheit mit dem genialen Komponisten ist spürbar. Farbenreich kommen die einzelnen Instrumente zusammen, der Klang hat Volumen aber keine Schwere. Die Tempi bleiben sportlich ohne gehetzt zu sein. Auch wird mitunter an Lautstärke nicht gespart, aber es bleibt gut mit den Stimmen dosiert.
Der Philharmonia Chor Wien erklingt sehr harmonisch im Einklang und Intonation aus dem Graben heraus.
Das Sängerensemble ist aus internationalen Spitzenstars zusammen gesetzt. Allen voran wurde intensiv mit Kathryn Lewek geworben. Die Amerikanerin triumphierte als Königin der Nacht an zahlreichen Häusern. Auch hier beindruckt sie in den artistischen Koloraturen mit kraftvoller Stimme, mitunter verlieren die Höhen Frische und Glanz. Franz Josef Selig ist ein majestätischer Sarastro, der mit sonoren Bass seine Autorität untermauert. Magnus Dietrich ist ein sicherer Tamino, dessen lyrischer Tenor Strahlkraft vermissen lässt. Feinfühlig berührend und samten begeistert Emily Pogorelc als Pamina. Stimmlich ist Theodore Platt ein gelungene Besetzung für den Spaßvogel Papageno, nur in den Dialogen fehlen ihm Deutschkenntnisse und die sprachliche Färbung, ein Manko wie bei einigen Protagonisten. Paul Schweinester gibt einen soliden Bösewicht Manostatos.
Das Publikum im ausverkauften Haus zeigt sich vom turbulenten Ende, indem auch noch kurz das Lacrimosa aus dem Requiem ehrfurchtsvoll eingearbeitet ist, mitgerissen. Der Intendant Romando Villazon versteht im Schluss Applaus Stimmung zu machen und beschwingt leert sich das Haus für Mozart. Dieser zwinkert zum Abschluss noch mit einem Auge im überdimensionalen Konterfei auf dem Bühnenvorhang projeziert.
Dr. Helmut Piitsch
25. Januar 2026 | Drucken
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