Eine gefeierte Inszenierung kehrt erfolgreich zurück Elektra in Wien

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Wuchtig ist der Beginn im Orchestergraben, kraftvoll das Bühnenbild. Elektra klettert aus ihrem Versteck, einer verwitterten Kugel, den Globus symbolisierend, zu Füßen des übergroßen Denkmals ihres Vaters Agamemnon. Dieser wurde von seiner Frau, Elektras Mutter Klytemnestra im Bade hingerichtet. Die Rachegelüste der Tochter stehen im Mittelpunkt dieser bestialischen aber spannenden Familientragödie. Erst durch die Rückkehr des Tod geglaubten Bruders, der als Kind verkauft wurde, wird die Rache vollbracht und Elektra sinkt im ekstatischen Tanz zusammen.

 

Der neue Intendant der Wiener Staatsoper Bogdan Roscic holte die 1989 gefeierte Inszenierung dieser Oper von Richard Strauss durch den Regisseur Harry Kupfer an das Haus am Ring zurück. Hans Schavernoch schuf das einprägsame Bühnenbild der schwarzen Riesenstatue, die nur bis zu Hüfte sichtbar ist und des symbolträchtigen abgerissenen Hauptes des ermordeten Königs und Familienoberhauptes. Reinhard Heinrich steckt die weiblichen Protagonisten in lange wallende Kleider und Turbane, sodass ein orientalischer Eindruck entsteht. Viel glitzernden Tand muss Doris Soffel in der Rolle der verhassten Mutter und Königin Klytemnestra schleppen. Gebrechlich aber resolut ist ihr Erscheinen. Lang ist ihre Karriere und Bühnenpräsenz, ihr Mezzo zeigt die gealterte Giftigkeit, es fehlt die wirkungsvolle Kraft und Schärfe gegen den emotional geladenen Orchesterklang anzukommen. Zentral ist die Szene des Dialogs mit ihrer Tochter Elektra. Ricarda Merbeth tritt erstmals an der Wiener Staatsoper in dieser Rolle auf. Mit ihrem hellen Sopran verleiht sie der Rolle eine jugendliche Prägung, darstellerisch und stimmlich vermisst man die durchdringende Rachelust und Dramatik. Die charakterischen Ausbrüche und markerschütternden Schreie sind gedämpft. Sie bleibt wortverständlich und stellenweise lyrisch.

 

Auch für Camilla Nylund ist es der erste Auftritt am Haus als Chrysothemis, als auch ihr Rollendebüt. Musikalisch wurde die Rolle von Richard Strauss mit viel Liebe ausgestattet, eine junge im goldenen Käfig eingesperrte Frau, die sich nach Liebe und einem einfachen Leben in Ruhe mit Kindern sehnt. Dabei wird sie zerrieben von der Abhängigkeit zu ihrer Mutter und der Hingebung an den toten Vater und ihrer Schwester. Ihr höhensicherer voller Sopran arbeitet viele dieser Nuancen in der Rolle heraus und stemmt sich gegen die kosmischen Entladungen im Orchesterklang. Einfühlsam hört sie auf ihre Schwester, kräftig ist der Siegestaumel am Ende.

 

Derek Welton hat die Rolle des Orest bereits in der gefeierten Elektra Aufführung bei den Salzburger Festspielen gesungen und zeigt auch hier wieder eine sehr gelungene Leistung, sicher und sehr präsent, wortverständlich und überzeugend.

 

Nach den Eröffnungsabenden dieser Wiederaufnahme hat nun der Brite Alexander Soddy den Stab übernommen. Frisch und froh ohne Effekthascherei steigt er in die opulente und klanggeladene Partitur ein. Er bleibt transparent, sehr ausgewogen in der Balance mit den Sängern und schafft ein sehr einheitliches Klanggebilde. Dabei kommen überbordende Ausbrüche als Ausdruck der Dramatik und Tragödie nicht zu kurz, aber sie fügen sich harmonisch sinnlich ein.

 

Das Publikum bedankt sich herzlich und freut sich sichtlich über die Rückkehr dieser packenden Inszenierung. Ein kluger Schachzug der neuen Leitung zum Auftakt dieser außerordentlichen Saison.  Über Monate war das Haus geschlossen und kehrt jetzt unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ein Stück zur Normalität zurück.   

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