© Ruth Walz
Richard Strauss Der Rosenkavalier Festtage Staatsoper unter den Linden 31.3.2026
Ein Rosenkavalier voller Glanz und Anmut in Berlin
„Auch zweier Menschen Werk kann ein Ganzes werden“ schrieb Hugo von Hofmannsthal zur Uraufführung von Richard Strauss Oper Der Rosenkavalier 1911, dessen meisterhaftes Libretto er verfasste. Die Zusammenarbeit der beiden gilt als die Erfolgreichste und Fruchtbarste der Musikgeschichte. Anlässlich der Festtage der Berliner Staatsoper unter den Linden kommt nun dieses Werk zweier Menschen glanzvoll in der Inszenierung des österreichischen Multitalentes Andre Heller zur Wiederaufnahme unter der Stabführung des Generalmusikdirektors des Hauses Christian Thielemann. Er gilt derzeit als d e r Dirigent für die Werke von Strauss und davon konnte sich der Besucher wiederum überzeugen. Brilliant ist der Umgang mit der lieblichen und ebenso sperrigen Musik des bayerischen Komponisten. Die Leichtigkeit der Walzerklänge flirrt im Raum, ebenso werden expressive Entladungen mit Gewicht aber transparent gesetzt. Thielemann entwickelt einen kammermusikalisch klaren Klang, zerlegt die Partitur in seine Einzelheiten ohne zu zerfallen. Er findet das perfekte Tempo um frisch und fließend zu bleiben ohne zu hetzen.
Die Sänger und Sängerinnen werden samt getragen und bekommen viel Raum für Ausdruck und Verständlichkeit. Ein junges Ensemble wurde wohlfeil zusammengesetzt. Julia Kleiter ist eine glaubwürdige Feldmarschalin, die Jugendlichkeit und Weiblichkeit verbindet. Sie erlebt ihre Alliance mit dem jugendlichen Liebhaber Octavian intensiv ausgelassen und auch mit realistischen Respekt. Sie bleibt hoheitsvoll in ihrem Stand und ihrer Rolle verankert. Stimmlich deckt sie die herausfordernde Rolle mit klanglicher Vielfalt und sicherer Höhe ab. Raffiniert setzt sie die Parlando Technik ein. Patricia Nolz Ist ein anmutiger graziler jugendlicher Liebhaber. Sie füllt die Hosenrolle des Octavian charaktervoll aus, erfüllt von stürmischen Gefühlen wie ebenso adliger Etikette. In der Konfontration mit dem Baron von Lerchenau überzeugt sie sowohl als Brautwerber wie in der Verkleidung als düpierendes Zimmermadl. Nuanciert führt sie ihre Stimme durch Emotionen und Situationen. Fein stellt sie sich in den Duetten dar und setzt glasklar ihre Melodiebögen. In Nikola Hillebrand findet die junge Sophie, die für die Festigung des gesellschaftlichen Standes ihrer Familie verrheiratet werden soll, eine nahezu ideale Besetzung. Lebendig naiv aber auch selbstbewusst und selbstsicher lässt sie sich nicht unterkriegen und rebelliert mit Charme und Verve. Hell und glockengleich erklingen ihre Spitzentöne, weich fließend setzt sie ihre Töne.
Peter Rose ist als Baron von Ochs derzeit eine internationale feste Größe und hat die Rolle verinnerlicht und auch sprachlich weiter ins Wienerische verfeinert. Roman Trekel kämpft als Edler von Faninal mit seiner Rolle, presst die Töne, die dumpf und schwer gesetzt sind. Karl Michael Ebner und Christa Mayer sind ein spritziges Paar Valzacchi und Annina.
Alle Nebenrollen sind gut besetzt und der Staatsopernchor und Kinderchor fügt sich bestens in die Regiearbeit von Andre Heller ein. Xenia Hausner schuf prachtvolle Bühnenbilder, die das Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts und des Jugendstils aufleben lässt. Auch Gustav Klimt erscheunt mit seiner Muse unter den Gästen im Palais Faninal, das seine Werke an den Wänden zeigt. Ein Palmenhaus mit türkischen Zelt ist der stimmungsvolle Rahmen für den dritten Aufzug. Ebenso stilvoll und farbig sind die Kostüme von Arthur Arbesser. Hellers Personenregie hält sich am Text und zeigt seine Verankerung im Wiener Ambiente.
Der Abend ist kurzweilig, lebendig nie überfrachtet und lässt Musik und Gesang sich entfalten. Große Begeisterung im nahezu ausverkauften Haus. Das Publikum bedankt sich lang und herzlich bei allen Mitwirkenden, Christian Thielemann ladet das gesamte Orchester auf die Bühne ein.
Dr. Helmut Pitsch
06. April 2026 | Drucken
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