© Landestheater Linz
Richard Strauss Der Rosenkavalier Landestheater Linz 25.1.26
Ein Rosenkavalier mit wenig Profil und hoher Musikalität in Linz
Soll dieser Rosenkavalier Zeitlosigkeit symbolisieren oder welche andere Deutung wünscht Hermann Schneider, der Regisseur dieser Neuinszenierung von Richard Strauss' musikalischer Komödie. Egal, so richtig springt der Funke nicht über. Im ersten Akt erleben wir noch Rokokozüge im Boudoir der Feldmarschallin - Dieter Richter Bühne - aber gegen Ende wird das üppige goldverzierte Bett von den Lakaien in schwarzen Lackanzügen zerlegt, der barocke Hausgang wandelt sich zum Ausblick auf eine nächtliche Grosstadt mit Wolkenkratzern und leuchtendem Fernsehturm- eigentlich sind wir ja gerade aufgestanden.
Und so gehen die Widersprüche weiter. Die Kostüme von Meentje Nielsen sind ebenso schrill durch die Modetrends der Jahrhunderte gewandelt. Barock bis zur Moderne auf alle Fälle bunt. Ein Rosenkavalier zwischen den Zeiten. Für das Palais des Aufsteiger Faninal dient wieder der Bühnenaufbau des ersten Aktes, Mobiliar und Dekor sowie Gemälde vom Franz von Stuck entsprechen der Entstehungszeit der Oper am Ende der KuK Monarchie. Octavian erscheint im unvorteilhaften glänzenden Silberfrack, Ochs von Lerchenau in der KuK Uniform.
Erfrischend originell wird es erst im dritten Akt. Bevor die Musik einsetzt erleben wir Techno aus der Retorte. In der Jetztzeit angekommen, sind wir in der modernen Bar La Rose mit Haifischtheke, Hockern, Bildschirmen und Panoramablick wie im ersten Akt. Unverständlich sind nur Baron Ochs, jetzt mit Rollator und dunkler Brille und die Feldmarschallin mit grauer Mähne und roten Porsche gealtert. Octavian ist eine sexy Mariandl ins Minikorsett geschnürt. Schrill ist die Partygesellschaft, die die Polizei nur schwer bändigt.
Zentral an diesem Abend ist die stumme Rolle des Dieners Mohammed. Hier schreitet gemächlich eine Frau für ihn im schwarzen Hosenanzug und grauen Haaren über die Bühne und nimmt immer wieder an der Handlung in allen Akten teil. Sie serviert das Frühstück, frisiert die Feldmarschallin, dient auch im Hause Faninal, spielt den DJ und erscheint zuletzt, ohne das gewohnte Taschentuch aufzuheben. Auch diese Regieidee bieter wenig Mehrwert, aber insgesamt ist der Abend mit Unterhaltungswert gestaltet ohne gegen das Libretto zu arbeiten. Eine ausgefeiltere Personregie anstatt Extra Einfällen hätte hier mehr Spannung erzeugen können.
Musikalisch leitet den Abend Ingmar Beck. Neben seiner Position als Kapellmeister in Linz ist er musikalischer Leiter der Philharmonie Süd- Westfalen. Mit Verve startet er in den Abend, setzt Akzente im Vorspiel, seine Inspiration lässt über den Abend nach. Die feine Rhythmusdynamik von Richard Strauss kann er nicht immer entfalten, die expressiven Entladungen haltet er in ruhigen Gewässern. Dafür führt er die Sänger, achtet auf ihre Wirkung und lässt die allesamt nicht großen Stimmen im Saal durchdringen.
Das Sängerensemble ist zumeist aus dem Haus besetzt und gestaltet den Abend souverän als Team. Erica Eloff ist eine elegante vornehme Feldmarschallin mit einem warmen hellen Sopran, der selbst in feinsten Piani in der Höhe strahlt. Auch in der Mittellage bleiben ihre Dialoge und Monologe fein gesungen. Dominik Nekel ist ein deftiger Baron Ochs, hält sich aber in Obszönitäten zurück und bleibt eine Respektsperson mit Ausrutschern. Stimmlich ist er sehr präsent, im sprachlichen Duktus wenig wienerisch. Manueala Leonhartsberger bleibt als Octavian farblos, obwohl ihr Mezzo dunkel und männlich wirkt. Die Partie singt sie sicher ohne die prägenden Facetten der Rollenspiele abzubilden. Die hier besser nuancierende Morgane Heyse ist als Sophie mit ihrer schön reinen Stimme zu wenig wahrnehmbar. Adam Kim gefällt als Herr von Faninal, sonor auf Aufstieg bedacht, den er auch stimmlich markant einfordert.
Viel Beifall für eine ausgezeichnete musikalische Umsetzung im gut besuchten Haus.
Dr. Helmut Pitsch
26. Januar 2026 | Drucken
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