Ein neuer Ring in Erl startet mit Rheingold und großem Jubel

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Die Neuauflage des Ring des Nibelungen von Richard Wagner startete gestern mit zurecht großen Jubel um Sänger, Musiker und Regieteam für die Premiere von Das Rheingold. Brigitte Fassbaender inszeniert werktreu modern mit einer gesunden Portion Ironie und Komik. Getragen von großflächigen unaufdringlichen Videoinstallationen von bewegten Gewässern den Rhein darstellend, lavaähnlichen Flüssen für die Höhle des Nibelung und Gebirgen für den Götterhimmel gibt es wenige Requisiten wie ein paar Möbeln und Umzugskartons für die einziehenden Götter oder ein Service Goldgeschirr für das Rheingold. Die Kostüme sind modern, die Riesen in Frack mit hohen Zylindern und Plateausohlen, Loge im knallgelben Anzug, die Rheintöchter in schwarzen Paillettenkleidern sind die auffallendsten Gewänder, Wotan erscheint mit Augenbinde im Anzug, Fricka im Chanelkostüm mit roten Haaren. Immer wieder baut die Regisseurin kleine witzige Gesten ein, da probiert Donner Wotans Hut oder Mime verlacht den gefangenen Alberich spöttisch. Es ist die ausgefeilte Personenregie, die den Betrachter über den ganzen abend hin in den Bann zieht. Die Bühne und Kostüme schuf Kaspar Glarner. die Lichtgestaltung stammt vomn Jan Hartmann

Die Rheintöchter hausen elegant unter dem Rhein uind bereiten ihre morgendliche Tafel mit ihrem Goldservice.Ein großer Tisch wird hereingeschoben, dazu drei Sessel. Schnell wandeln wir auf herrliche Berghöhen durch eine Nebelwand. ein paar Möbel und Kartons am Bühnenrand sind die einzige Dekoration bei den Göttern.  Dunkel und düster wird es in Niebelheim, Alberich erscheint auf einer Schräge und rutscht förmlich auf die Bühne. Wurm und Kröte sind als Kopfschmuck und kleines Stofftier realistisch, Der Tarnhelm ist eine Art digitale Brille. Der Ring ein mächtiger Reif, der in der Hand gehalten wird. Es ist Bewegung auf der Bühne, die handelnden Personen untermauern in Ihren Gesten die Handlung. Brigitte Fassbaender will hier kein tiefgründiges psychologisches oder philosophisches Regiekonzept umsetzen, sie hält sich an Text und Regieanweisungen Richard Wagners und will unterhalten.

Das Orchester sitzt wieder hinter der Bühne, verdeckt von einem transparenten Vorhang in die Höhe aufgebaut. Diese Anordnung hat sich bereits unter der alten Intendanz von Gustav Kuhn bewährt. Der US Amerikaner Erik Nielsen ist ein gerngesehener Gastdirigent an allen bekannten europäischen Opernhäusern. Routiniert und sicher führt er das Orchester der Tiroler Festspiele sehr ausgeglichen. Spürbar ist die intensive Vorbereitung. In Tempo und Lautstärke unterstützt er die Sänger, die allesamt einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Simon Bailey ist ein kräftiger schön singender Wotan bis zum Schluß, Craig Colclough ist ein sehr agiler mystischer Alberich, mit dunklem, gesetztem und einprägsamem Bassbariton, der viele Nuancen aufzeigt. Ian Koziara besticht mit einer sehr kräftigen und sicheren Tenorstimme und spielt so Loge als ausgepufften Manager und wenig verdruckst sehr in den Vordergrund. Thomas Faulkner und Anthony Robin Schneider sind großgewachsene Riesen. Ihre Basstimmen zünden aber nicht mächtig riesenhaft. Dshamilja Kaiser ist ein spröde Fricka, die Rolle, die Brigitte Faesbender unzählige Mal selbst verkörpert hat. Judita Nagyova ist eine elegante Erda mit hellen klaren Mezzo.

Eine Aufführung, die das erlangte hohe Niveau von Wagnerabenden bei den Tiroler Festspielen klar festigt.

Dr. Helmut Pitsch

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