Düstere Szenerie musikalisch ausgeleuchtet - Macbeth in München

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Giuseppe Verdi Macbeth Opernfestspiele München

Ein Meer aus weißen Totenköpfen, ein Zelt und schottischer Nebel - dazu heulen Winde - so beginnt die ausdrucksstarke düstere Inszenierung von Giuseppe Verdis Drama lirico Macbeth am Münchner Nationaltheater. Regisseur Martin Kusej ist ein Theatermann und versetzt das Drama von William Shakespeare über das skrupellose machthungrige Ehepaar in einen wahren Psychokrimi.

Die Bilder sind nicht immer einfach in den Kontext zum Libretto zu setzen aber vermissen nicht an Wirkung. Die Begegnung mit den Hexen, hier Kinder mit dem Äusseren von Erwachsenen, das besagte vielfältig eingesetzte Zelt als mystische Verklrärung der Greueltaten, geköpfte Gegner, Nackte als gehängte Opfer - die Brutalität der Herrschaft wird in nichts beschönigt. Statisten und der Chor nehmen Stellung ein auf den Totenköpfen, die Protagonisten schreiten gequält einher.

Durch vergilbte Plastikbahnen wird immer wieder die Bühne zum Palast Macbeth mit Kristallluster verkleinert. Lösten in der Premiere die urinierenden Hexen noch einen Skandal aus, folgt mittlerweile das Publikum gelassen der realistischen Szenerie.

Mehr Aufmerksamkeit wird dem erstklassigen Sängerensemble gewidmet. Insbesondere wird der Auftritt von Asmik Grigorian als Lady Macbeth mit Spannung erwartet. Die Litauerin wird für ihre Darstellungskraft in starken Frauenfiguren nach ihrem Durchbruch als Salome bei den Salzburger Festspielen gefeiert. Die machtbessene kaltblütige Lady, die bei den Morden noch selbst mit Hand anlegt, passt sowohl stimmlich als auch als Rollenbild bestens zu ihr. Von Beginn an überzeugt sie, zur ersten Arie schneidet sie sich selbst die roten Haare zur Vorbereitung auf königliche Würde. Aber das Morden treibt auch sie in den Wahnsinn, den sie glaubhaft wiedergibt. Ihre Stimme zeigt Tendenz zur Dramatik mit trockenen hohen Tönen, Koloraturen verschwinden, in der Mittellage trägt sie Farbe und Stimming auf.

Neben ihr überzeugt Gerald Finley in der Titelrolle mit warmen unaufgeregten sehr der Rolle folgenden Tönen. Sein Macbeth ist von Beginn introvertiert, verschlagen, kein Kämpfer sondern fremdbestimmt getrieben. Dies wird sehr fein austariert und mit viel Schmelz in den Melodien. Roberto Tagliavini ist eine sichere strahlende Besetzung des Banco. Schlank und groß in der Erscheinung ist er ein ehrenvoller Gegenspieler zu den blutigen Mordgelüsten. Andrei Danilov erntet viel Beifall als Macduff für seine emotionsgeladene Anklage seines Schicksals.

Auch wenn der Chor immer wieder aus dem Orchestergraben seinen Auftritt hat, dafür ist seine Wirkung umso intensiver. Mit Kraft und feiner Abstimmung, Gefühle und klaren Akzenten werden die Chorszenen immer wieder zu mitreißenden Höhepunkten. Subtil mit mit viel Gespür führt Andrea Battistoni am Pult durch die grauen schottischen Nebel. Er nimmt im Orchester das grausame Morden auf und wandelt die Tristesse in dramatische Auseinandersetzung. Die Dunkelheit bekommt lichte Momente, die Hoffnung eine feine romantische Sprache. Im Klangvolumen gut geführt und in der Lautstärke kommt er den Sängern entgegen. Der klaren Regiesprache setzt er eine musikalische Farbenpracht gekonnt entgegen.

Großer Beifall für enen spannenden Opernabend. Viel Begeisterung im ausverkauften Haus.

Dr. Helmut Pitsch

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