© Ludwig Olah
Giacomo Puccini Madame Butterfly Semperoper Dresden 30.1.2026
Dresden feiert Madame Butterfly- Große Gefühle mit Aufputz in der Handlung
Lang anhaltender frenetischer Applaus und Standing Ovations beschließen einen Opernabend großer Gefühle in der Semperoper in Dresden. Die Begeisterung gilt vor allem Selene Zanetti in der Titelrolle Cio Cio San der Oper Madame Butterfly von Giacomo Puccini. Die Italienerin besticht in der Darstellung mit ihrer wandlungsfähigen Stimme, die die respektvollen Gefühlen der kindlichen Japanerin gegenüber dem amerikanischen Soldaten und Eroberer abbildet, wie auch die profunde Liebe die über Jahre frisch bleibt. Sie strahlt mit der Freude über die Rückkehr des Geliebten, um gleich mit der grauenhaften Erkenntnis zu verdunkeln, dass ihre Existenz keine Zukunft hat. Ihren warmen Sopran lässt sie gefühlvoll aufgehen, wie auch in der Düsternis der Todesahnung versinken. Ihr zur Seite steht Tomislav Muzek als eher hölzener junger Liebhaber, der als Kriegsverletzter mit Stock und Ehefrau zurückkehrt. Auch stimmlich zeigt er wenig Farbe, seinen Tenor presst er in die Höhe. Sun-Ly Pierce ist eine zurückhaltend mitfühlende Dienerin Suzuki, die Präsenz und Autorität ausstraht. Auch Neven Crnic kann als Sharpless durch seinen kräftigen wohlklingenden Bariton seine Nebenrolle merklich aufwerten. Auch die weiteren Nebenrollen sind teils aus dem Ensemble oder Mitgliedern des Chores gut besetzt.
Am Pult findet Vitali Alekseenov einen gut ausbalancierten Zugang zu Orchester und Bühne. Er lässt die Sächsische Staatskapelle Dresden durchaus machtvoll breit in den gefühlsbetonten symphonischen Zwischenspielen erklingen. Seine Tempowahl ist dabei massvoll. Mit Gespür treten einzelne tragende Instrumente in den Vorfergrund, die Exotik des Handlungsortes arbeitet er aus der Partitur heraus. Wohlig satt ist der Streicherklang den Sängern angepasst.
Auf der Bühne bringt die Regiearbeit des japanischen Filmemachers Amon Miyamoto eine ansprechende cineastisch geprägt Erzählung der Handlung, Er bezieht sich auf die ursprüngliche Vorlage des Librettos, eine Erzählung von John Luther Long, der die wahre Geschichte dieser Liebe als Rückblende aus der Sicht des gemeinsamen Sohnes beinhaltet. So liegt Pinkerton im Sterbebett vor dem Beginn auf der Bühne und händigt seinem Sohn einen Brief aus. In diesem erfährt dieser seine wahre Abstammung und die Umstände seiner Geburt und die tragische Existenz seiner Mutter. Die Zeilen des Briefes werden zur lebendigen Szenerie an der der junge Mann als stumme Rolle über den gesamten Abend teilnimmt. Geschickt flechtet Miyamoto die Figur mit seiner Neugierde und seine überwaltigten Gefühle ein ohne zu überladen. Ein interessanter, gelungener und auch musikgeschichtlich erweiterter Ansatz.
Stimmungsvolle Bilder schafft dazu Boris Kudlicka, der mit wenigen Mitteln und einer ausgeklügelten Lichtregie von Fabio Antoci die japanische Kultur und Natur einfängt. Wie die typischen Schiebetüren als Raumgestalter in Japan üblich, setzt er weit wehende Vorhänge ein, die sich über den Bühnenraum schwebend bewegen. Projektionen vermitteln Blicke in die Landschaft, auf blühende Kirschbäume oder grüne Zedern. Ein kleiner Holzpavillon dient als Heim der kleinen Familie.
Gebannt folgt das Publikum dem kurzweiligen Geschehen.
Dr. Helmut Pitsch
02. Februar 2026 | Drucken
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