© Helmut Pitsch
Matinee der Zukunft - Festival Manufaktur der Künste 6.9.2026 Wien
Die nächste Generation im Zentrum des Festivals Manufaktur der Künste, Wien
Die Manufaktur der Künste verwandelt nunmehr zum zweiten Mal das architektonische Juwel, die historische Wiener Zacherlfabrik, zu einem Ort der künstlerischen Begegnung von Musik, Mode und Architektur. Das orientalisch inspirierte Ambiente der ehemaligen denkmalgeschützten Insektenpulverfabrik schafft ein außergewöhnliches Raumempfinden und eignet sich mit seiner Akustik als Austragungsort dieses neuen Wiener Festivalformats. Initiatorin und Intendantin Ketevan Sepashvili und ihr Trio Revolution sowie internationale Musiker:innen gestalten sechs Konzerte, darunter zahlreiche Ur- und österreichische Erstaufführungen.
Wesentlicher Bestandteil des Programmes ist die Nachwuchsförderung, Insbesondere die Zusammenarbeit mit der Zakaria-Paliashvili-Musikschule für hochbegabte Kinder in Tiflis ist für die georgische Intendantin ein persönliches Anliegen. Die 1934 gegründete Schule ist eine wesentliche Ausbildungsstätte für junge Talente in Georgien. So war sie auch für den Werdegang von Sepashvili, wie für viele andere georgische Musiker prägend. Das Festival Manufaktur der Künste gestaltet zur Förderung von Musikern aus Georgien eine Konzertmatinee und bietet so die Möglichkeit, sich auf einer internationalen Bühne zu zeigen. Durch großzügige Spenden werden die Aufenthalte der Musiker finanziert.
Versteckt in einer verwunschenen Gasse gelangt durch eine grüne Oase der Konzertbesucher in einen Ziegelbau. Stahlsäulen tragen die zum Teil zweistöckige Struktur, durch zahlreiche Fenster gelangt Licht ins Innere unter der offenen Dachkonstruktion. Großformatige Modeaufnahmen und ein Modellkleid nebelverhüllt an einer Puppe sind die wenigen Gestaltungselemente. Der edle Konzertflügel steht mittig vor einer Raumerweiterung. Sofort ist der Gast von der Athmosphäre im Raum gefangen. Der Werkstattcharakter entwickelt sich zu einem Austausch von Professionalität, Klang und Brillianz des Instrumentes.
Zwei junge Künstler, die ihr Programm selbst zusammengestellt haben, stellt die Intendantin zu einleitenden Worten im Gespräch mit der Moderatorin Ursula Magnes vor.
Ketevan Zariashvili beginnt mit der Sonate Nr 22 f moll „ Appassionata“ von Ludwig van Beethoven. Schnell verliert sie Nervosität und Unsicherheit und setzt sich selbstbewußt mit der Partitur auseinander. Sie findet dramatische Passagen, die sich mit verspielten Gefühlsregungen abwechseln. Ihre meisterhafte Technik läßt den Respekt von dem klassischen Meistern erkennen, ihre Interpretation läßt eigene Gefühle und persönliche Gedanken zu. Frederic Chopin mutiert in seiner Ballade Nr 1 g moll zu einem bildhaften Erzähler. Die poetische Kraft des Werkes vermittelt die junge Georgerin in ihrer feinfühligen Interpretation. Zwei Werke von Sergej Rachmaninow beschließen ihre eindrucksvolle Darbietung.
Alexandre Shubitidze zeigt sich mit seinen 22 Jahren als reifer Künstler, der auch über kompositorische Talente verfügt. Seine Klavierbearbeitung (Vorlage von Egon Petri) der Lautensuite in c Moll BWV 997 von Johann Sebastian Bach zeigt schöpferische Kraft und Vitalität. In empfindsameren Gefilden durchwandert er die Sonate op 110 von Ludwig von Beethoven. Sie gilt als sein persönlichstes Werk, trägt keine Widmung und vermittelt die Drangsale und Entbehrung des kranken und genesenden Komponisten.
Die Sonate Nr. 1 von Carl Vine erklingt oft bei Wettbewerben, ermöglicht sie in den ekstatischen Steigerungen gekonnt das technische Können der Vortragenden zu vermitteln. Das zeitgenössische Werk, entstanden 1990, ist ein Ausbruch von Akkorden und temporeichen Läufen und Sprüngen, eine Herausforderung an Umgang mit Tempo und Rhythmus sowie Raffinesse im Anschlag. Die unprätentiöse Darbietung von Shubitidze bannt magisch die Aufmerksamkeit im nahezu ausverkauften Saal.
Große Begeisterung für beide Künstler vermittelt der lang anhaltende herzliche Applaus. Ein neues Festival mit Herz und Charakter auf hohem künstlerischen Niveau gewinnt und verdient seinen Platz im Veranstaltungskalender.
Das Festival findet noch bis 10. September – Hingehen lohnt sich.
Dr. Helmut Pitsch
07. September 2026 | Drucken
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