Die Bayerische Staatsoper lüftet mit Turbulenzen das „Geheimnis der Susanna“ von Wolf Ferrari

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Als Hermann Wolf 1876 in Venedig geboren, wollte er zuerst Maler wie sein Vater werden. 1895 nahm er auch den Namen der Mutter an und nannte sich fortan Ermanno Wolf Ferrari und schlug eine Karriere als Komponist und Musikpädagoge ein. Er studierte in München bei Joseph Rheinsberger und verbrachte viele Jahre in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In München feierte er auch seine größten Erfolge. Seine Kompositionen stehen für eine Fortführung der Romantik. Neben seinen bekannteren Opern und Liedern schuf er Choralwerke und auch symphonische Werke. Nach dem zweiten Weltkrieg kehrte er in seine Geburtsstadt zurück, wo er 1948 verstarb. Im Rahmen der Montagsstücke bringt nun die bayerische Staatsoper eine Neuinszenierung seiner Oper „Il segreto di Susanna“ im Stream.

Unkonventionell ist die Gestaltung von Axel Ranisch als zusammengeführte Videoaufnahme und live auf der Bühne Darstellung. Ein Format, das so nur im Stream im leeren Opernhaus für Zuseher am Bildschir funktioniert. Die kurzweilige knappe Handlung reiht sich um die Eifersucht des jungen Graf Gil, der vermutet, dass seine angebetene junge Ehefrau Susanna ihn betrügt. Seine Eifersucht nährt ständiger Zigarettenqualm um seine Gattin. Erst als diese ihre Rauchleidenschaft gesteht und den Grafen sowie den stummen Diener zum selben Laster verführt gibt es ein gutes Ende. Schick ist das Heim des jungen Paares in einem lichtdurchfluteten Palast, Ausstattung von Katarina Ravlic und Christian Blank, hektisch umtriebig agiert der Graf im Video an der Grenze zum Slapstick. Erotisch posiert da seine Gattin in der Badewanne und wird durch das Schlüsselloch beobachtet. Parallel dazu ist die Bühne mit wenigen Möbeln gestaltet. Die drei Protagonisten agieren auf der Hinterbühne und werden von Kameraleuten auch beim Abgang bis in die langen Gänge des Opernhauses begleitet.

Das Orchester unter der Leitung von Yoel Gamzou sitzt auf der Vorderbühne. Spritzig vollmundig wird ein romantischer Klangteppich erzeugt. Dezent zurückgenommen werden die Sänger begleitet. Durchkomponiert sind die Partien, melodienreich und spritzig sind die einzelnen Szenen, große Arien fehlen. Michael Nagy interpretiert den munteren verunsicherten Grafen. Geschmeidig singt er seine Gefühlsausbrüche und dramatischen Unterstellungen, die Selene Zanetti als seine Gattin geschickt mit weicher unterwürfiger versteckter Raffinesse kontert. Nuanciert und reduziert nahezu belcantest gestaltet sie ihre Rolle sehr gelungen. Dazu zeigen die beiden auch ihr schauspielerisches Talent und Spielfreude. Dazu zieht etwas plump Heiko Pinkowski als stummer Diener Sante seine Fäden. Der einstündige Opernabend ist noch als Video on Demand auf der Website der Bayerischen Staatsoper verfügbar.

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