Das verbaute Wunder - Münchens Lohengrin im 10 Jahr überzeugt nur musikalisch

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Noch immer baut Elsa zünftig in Latzhose ihr heimeliges Häuschen und verfolgt weltfremd autistisch das romantisch dramatische Geschehen um ihre Person und Machtposition. Viel wurde über die Qualität und die Psychologie dieser Inszenierung in den letzten zehn Jahren (Premiere am 5. Juli 2009) geschrieben und "vermeintlich" philosophiert. MiIttlerweile zeigt sie sich soweit repertoiretauglich sofern die Qualität der Sänger die Unzulänglichkeiten des Regieteams um Richard Jones ausgleichen. Die Verschwendung des zentralen Bühnenraums mit der Baustelle, sodass der Chor teilweise verdeckt auf einer hohen Brücke im Hintergrund oder dicht gedrängt am Bühnenrand Aufstellung finden muss, wirkt weiterhin negativ auf die Gesamtwirkung der Aufführung. Die anderen Deftizie der Personenregie und Gestaltung des Bühnenraumes seien dahingestellt.

So konzentriert sich der Besucher auf die musikalischen Genüsse dieser Wiederaufnahme. Mit Klaus Florian Vogt wurde der derzeit wohl sinnlichste Lohengrin verpflichtet. Mit seinem unverändert jugendhaften sportlichen Erscheinungsbild mit wallendem langem Haar überzeugt der nahezu 50 jährige stimmlich immer mehr in dieser anspruchsvollen Rolle. Der schillernd helle Klang seiner Stimme hat an Farbe gewonnen, lässt sich dadurch auch nuanciert einsetzen. So verabschiedet er sich engelsgleich bei seiner Ankunft vom geliebten Schwan, um sodann kampfeslustig und draufgängerisch Telramund zum Gottesgericht zu stellen. Der Verlust der erkämpften Liebe, die Verzweiflung über das verlorene Glück macht er fühlbar. Selbst das eine Jahr mit Elsa war ihm nicht vergönnt, so gekonnt gelang die Hetze der machthungrigen eifersüchtigen Ortud, überzeigend dargestellt von Karita Mattila in ihrem Rollendebüt. "Schon als Elsa hätte sie diese Rolle immer inspiriert" erzählt die Finnin gut gelaunt.  Nunmehr darf sie ihre Rolleninterpretation auf der Bühne zeigen unnd sie macht dies mit erkennbarer Freude. Stimmlich gelingt ihr der Spagat von lyrischer Betörung des verbannten Gatten zur hochdramatischen Anklage der gehassten Nebenbuhlerin Elsa um die Macht in Brabant. Sowohl im Hosenanzug als beinharte Geschäftsfrau oder  auch langem Trachtendirndl als Brautjungfer zeichnet sie ein klares Rollenbild. Anja Harteros kann hier problemlos im Wettstreit bestehen. Noch ist ihr die Rolle der Elsa auf den Leib geschrieben, auch wenn ihr lyrischer Sopran hörbar an Dramatik gewonnen hat. Unverändert verfügt sie über die klaren hellen sichern Höhen, gestaltet weich und ohne Druck langgezogene Melodieläufe und Sprünge. Inspiriert gestaltet sie die leidvollen und sehnsüchtigen Legati und widmet ihr schauspielerisches Können den Anforderungen der Regie.

Wolfgang Koch ist wieder einmal ein sicherer Telramund ohne viel stimmliche Gestaltungskraft einzusetzen und bleibt so im Quartett der Handelnden Paare zurück. Christof Fischesser ist ein charmanter edler König Heinrich, schmal und zurückhaltend füllt er seine Gestaltungsmöglichkeiten aus.

Lothar Koenigs leitet mit klaren und präzisem Taktschlag das Bayerische Staatsorchester, welches wiederum auf höchsten Niveau musiziert. Musikalisch setzt er weniger auf gefühlvolle Nuancen und Klangmalerei. Dafür achtet er aufmerksam auf die Sänger und Chor, um deren Zusammenspiel mit dem Orchester zu sichern, nachdem zu Beginn verschiedene Wackler hörbar sind.

Das Münchner Publikum schätzt und pflegt die Werke Richard Wagners. Konzentriert verfolgt das ausverkaufte Haus den Abend und umjubelt am Ende Sänger und Orchester.

 

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