Currentzis / Utopia bringen Gefühle der Trauer zum Erklingen

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Hommage a Kurtag Salzburger Festspiele 19.8.2026 

Currentzis/Utopia bringen Gefühle der Trauer zum Erklingen 

Dem ungarischen Komponisten György Kurtag widmen die diesjährigen Salzburger Festspiele einen eigenen Konzertzyklus. Der nun 100 jährige Künstler zählt zu den großen zeitgenössischen Komponisten und wird insbesondere für seine ausgedehnte trotz Alter ungebremste Lehrtätigkeit gerühmt. Im Mittelpunkt steht hierbei Kammermusik und als solche kann durchaus sein Opus 15c Grabstein für Stephan für Gitarre und Instrumentengruppen aus 1978, (1989 revidiert und uraufgeführt) gewertet werden. Streicher, Schlagzeug, Bläser und Tasteninstrumente begleiten den Solisten Elliot Simpson. Am Pult des Utopia Orchestra steht Teodor Currentzis, der für seine sehr individuell geprägten Interpretationen bekannt ist.

Die Gitarre steigt mit hingehauchten, leicht fließenden Akkorden ein und verweilt in dieser düsteren unaufgeregten Grundstimmung über das gesamte Opus wie ein basso continuo. Darüber sind wahre Explosionen in den einzelnen Instrumentengruppen gelegt im abrupten Wechsel mit ruhigen Phasen. Eine Melodie entwickelt sich verhalten. Kurtags Musik wirkt wie ein Gebäude, eine Struktur aus vielen kleinen polyphonen Formen. Im Grundhabitus bleiben Harmonien bestehen. Zum besonderen Klangerlebnis lässt Currentzis einige Musiker, Bläser und Streicher, aufstehen, herumgehen, um dann das Podium zu verlassen.

Auch im folgenden Konzert für Violine und Orchester dem Andenken eines Engels von Alban Berg lässt er einzelne Instrumentalisten und die gesamten ersten und zweiten Geigen aufstehen und mit der Solistin Vilde Frang in direkten Dialog treten. Auch sie wandelt dabei durch die Musikergruppen. Das Werk entstand 1935 angesichts des erschütternden Todes der 18 jährigen an Kinderlähmung erkrankten Manon Gropius, der Tochter Alma Mahlers aus der Ehe mit Walter Gropius. Mit Alma Mahler verband Berg eine enge Freundschaft wie auch mit zahlreichen Künstler des beginnenden 20. Jahrhunderts.

Das zweisätzige Werk versucht das Leben des Mädchens nachzuzeichnen. Volkslieder erinnern an die Jugend in Kärnten, Walzerklänge an ihr Wesen. Mit Bachzitaten entwickelt sich der zweite Satz zu einer tragenden Musik der Trauer. Frang gleitet mit souveränem Strich und Einfühlungsvermögen in den dominanten Solopart. Currentzis führt ihr mit Inspiration das Orchester zur Seite. Es ist dies das letzte Werk Alban Bergs, er verstarb wenige Wochen nach dessen Vollendung.

Im Mittelpunkt des Abends steht Johannes Brahms und sein Deutsches Requiem op 45 für Sopran, Bariton, gemischten Chor und Orchester. Auch dieses Werk ist ein Denkmal der Erinnerung, hier an den verehrten Freund Robert Schumann. Trost will Brahms der Witwe Clara Schumann spenden, ihr Mut und Lust zusprechen, wie der innige Briefwechsel zeigt.

Currentzis legt das Werk in einer leichten, positiv gehaltenen Interpretation an. Er wandelt die Schwere der Trauer als romantisches Stilmittel in eine zuversichtliche Erlösung versprechende Leichtigkeit. Seine sonst oft genutzten Tempowechsel als auch kräftige Wechsel im Volumen sind hier kaum anzutreffen. Vielmehr spielt sich Vielfalt und Ausdruck in der Gestaltung des Parts des  Chores. Vitaly Polonsky hat hier hörbar intensiv mit dem Utopia Choir gearbeitet. Die Wortverständlichkeit im Deutschen, sowie die vokalen Ausdrucksmittel von Betonungen der Vokale als auch Konsonanten gelingen deutlich besser als in vorherigen Auftritten. Dazu verwandeln die Sänger und Sängerinnen die biblischen Texte in lebendige farbenreiche Botschaften..   

Leider kann Iveta Simonyan in ihrem Sopransolo nicht so in Ausdruck und Aussprache überzeugen und bleibt farblos. Matthias Winckhler zeigt sich als erfahrener Oratorien- und Konzertsänger. Sein Bariton hüllt die Worte in schmeichelnde Wärme.

Intensiver kurzer Beifall nach einem langen Konzertabend. 

Dr. Helmut Pitsch

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