China hält kulturellen Einzug in Tirol

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Chinesisches Neujahrskonzert Tiroler Festspiele 24.2.2026

China hält kulturellen Einzug in Tirol

Seit 1998 organisiert Wu Promotion, eine in Peking ansässige Künstleragentur ein traditionelles chinesisches Neujahrskonzert als weitweite Tournee mit chinesischen Orchestern in renommierten Konzertsälen. Die Premiere dieses Formats fand im Goldenen Saal des Wiener Musikverein mit Moderation von Marcel Prawy statt.

Die Überwindung kultureller Barrieren und der Austausch von Kulturen sind das Ziel dieser Großveranstaltung. Mittlerweile zum vierten Mal macht die Tournee auch im Festspielhaus der Tiroler Festspiele in Erl vor ausverkauften Haus Station. Dieses Jahr bestreitet das Wuxi Traditional Orchestra unter der Leitung des jungen Dirigenten Sun Peng die Darbietung von ausgewählten Kompositionen zeitgenössischer chinesischer Komponisten.

Spannend und für westliche Ohren neu ist die Zusammensetzung des Orchesters in großer Besetzung von fast 80 Musikern mit traditionellen Instrumenten ergänzt durch gewohnte Celli, Kontrabässe und Schlagzeug. Erhu ist eine zweisaitige Violine, die im Sitz mit dem Körper des Instrumentes auf den Beinen als erste und zweite Violinen das Orchesters fungieren. Der Bogen ist fest zwischen Hals und Saiten mit dem Instrument verbunden. Trocken, gedämpft wie ein Nachhall ist der Klang dieses Streichinstrumentes. Die 7 Millionenstadt Wuxi in der Nähe von Shanghai ist für den Bau dieses Instrumentes bekannt- ein chinesisches Cremona. Gespielt wird die Erhu im Orchester ausschließlich von jungen Frauen, optisch in langen türkisen Kleidern hervorgehoben. Pipa in Groß- und Kleinformat ist ein weiteres Saiteninstrument, unserer Laute oder Gitarre verwandt, im Orchester präsent vertreten. Dazu kommen verschiedene Blasinstrumente zumeist im Klang unseren Barockinstrumenten ähnlich.

Moderiert wird der Abend in Erl humorvoll durch Thomas Gassner, der auch die Mitwirkung des begeisterten Publikums zum chinesischen Neujahrsgruß herausfordert.

Phantasievoll poetisch sind die Titel der dargebrachten Werke. Zur Ouvertüre erklingt das Opus Frühlingsfest gefolgt von „Ein Traum von Taihu“ - eine Ode an den großen See vor den Toren der Stadt Wuxi. Weiters erklingt der zweite Satz einer Ode an die Sonne, mit der Bezeichnung Schulterstangen, als auch eine Wolken Blumenfantasie sowie die musikalische Deutung eines nationalen Geistes Guo Feng und der Seidenstraße. Musikalisch ähneln sich die Werke. Stramme Rhythmen kennzeichnen den Abend mit kurzen elegischen Einlagen unterbrochen. Die Musik folgt den eingeschränkten Harmonien der klassischen zugrunde liegenden Fünftonmusik, erweitert um manche Halbtonschritte. Eine Überwindung von klassischen Grenzen, wie wir sie in der zeitgenössischen westlichen Klassik erleben ist in der chinesischen Moderne in diesem Programm nicht erfolgt.

Dafür erlebt das Publikum den großen Klangkörper in prächtigen exotischen Farben. Nahezu akrobatisch ist das engagierte Spiel der jungen Musiker. Stolz, Freude und auch Disziplin strahlen von diesem Orchester aus. Ihr Dirigent führt ruhig mit wenigen klaren Zeichen und schlägt mit charmanten Gesten eine Brücke zum Publikum. Dieses ist hellauf begeistert und mitgerissen, insbesondere in den temporeichen Zugaben wo auch Jazz und Mambo mit Witz und Esprit einfliessen. Zum Schluss gibt es noch eine Hommage an das Pferd, das Symbol des neuen chinesischen Jahres. Pferderennen heißt das Stück mit stampfenden Fhythmus und wievernden Einlagen der Bläser.

Stehende Ovationen! Der kulturelle Austausch lebt und die politsche Komponente der Kultur Diplomatie darf nicht vergessen werden.

Dr. Helmut Pitsch

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