Cesti's Dori kehrt nach Innsbruck zurück

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Eine verzwickte, verwickelte Handlung prägt diese Liebesgeschichte um Treue, Eheversprechen und Begehren. Drei Stunden schmachten in Wehmut, Zorn und Begehren Oronte und Dori, welche als Sklave verkleidet sich nicht zu erkennen geben wagt. Eine finale Belehrung driftet das Stück zur Parabel. Vermutlich wurde deshalb das beliebte Werk aus dem 17. Jahrhundert oft als Anlass von Hochzeiten aufgeführt. Pietro Antonio Cesti (1623-1669) war neben Francesco Cavalli der führende Komponist der venezianischen Oper am Übergang der Renaissance zum Barock. Die Uraufführung von La Dori fand 1657 am Innsbrucker Hoftheater statt, wo Cesti unter Erzherzog Ferdinand Carl wirkte. Das einst beliebte Werk geriet in Vergessenheit.

Nunmehr bemüht sich Innsbruck, der Ort der Uraufführung um eine Belebung. Der Stoff der Oper verarbeitet eine antike Geschichte. Der persische König Oronte hält treu an dem Eheversprechen gegenüber La Dori, Tochter des Königs von Nikäa aus wahrer Liebe fest. La Dori ist inzwischen nach ihrer Flucht aus Ägypten nach wilder Seefahrt, Raub und Verschleppung durch die Gunst von ihrer Schwester Arsinoe als Sklave Ali am persischen Hof gelandet. Weder Oronte noch Arsinoe erkennen die wahre Identität hinter der Verkleidung. Arsinoe ist nach dem Verschwinden von Dori dem persischen König Oronte versprochen worden, die Hochzeit wird aber vom König nicht ausgeführt. Inständig sehnt sich Oronte verzehrend nach seiner Geliebten und am Ende löst sich rasch alle Verkleidung und Hader auf. Dies die Handlung im Kern.

Viele Personen wirken und mischen weiters am Hof mit und ziehen ihre Intrigen, sodass der Abend seine Längen bis zur Lösung bekommt. Die Musik wird bestimmt von einfach komponierten Rezitativen, von verschiedenen Instrumenten begleitet. Die Arien stehen noch ebenmäßig daneben, der artistische solistische Ansatz des Barock tritt nur selten hervor. Auf die emotionale Ausdruckskraft wird aber geachtet.

Um diese zeigt sich Francesca Ascioti als Dori sehr bemüht. Die Altistin bringt mit ihrer klaren dunkel angefärbten Stimme Transparenz im Klang und der Melodieführung. Ihr schicksalshaftes Leid lässt sie blühen, formt elegant Wehklage ohne zu forcieren. Fein hebt sich die Stimme auch von Francesca Lombardi Mazzulli als Arsinoe ab. Ihr Sopran liegt schön in der Mittellage, wohldosiert für Rezitativ, die Höhen streift sie in den Läufen und drückt in Tonsprüngen. Der Countertenor Rupert Enticknap badet hörbar in seinem Leid und männlicher Verletzlichkeit. Sein Oronte lässt dem Counter die Farben seiner ausgefallenen Stimmlage zur Geltung bringen. Für Dramatik zeigt er wenig Kraftreserven. Federico Sacchi setzt mit seiner Basstimme als Artaxerse kraftvolle Akzente. Dramatik erzeugt Emőke Baráth in der komplexen Hosenrolle des Tolomeo, der sich wiederum als Celinda verkleidet am persischen Hof einschleicht. Kraftvoll expressiv versteht sie mit ihrem Sopran Auf sich aufmerksam zu machen. Präsenz gewinnt Alberto Allegrezza in der Rolle der Dirce. Mit seinem sonoren Tenor gibt er der alten immer noch lüsternen Amme kokette humoristische Züge.

Als Tragikkomödie wollte auch Cesti sein Werk verstanden wissen. Den Anspruch versucht Stefano Vizioli in seiner Regie umzusetzen. Einfach barock anmutend ist das Bühnenbild von Emanuele Sinisi, das sich mit geschickter Ausleuchtung und ein paar Details in verschiedenste Ambiente versetzen lässt. Die Kostüme von Anna Maria Heinrich entsprechen der Entstehungszeit des Werkes. So liegt viel Aussagekraft in der Personenregie, die schwungvoll ohne Übertreibung die Handlung vorantreibt. Ottavio Dantone sitzt am Cembalo und leitet die Accademia Bizantina als Klangkörper verhalten. Zuwenig verleiht er den Orchesterzwischenspielen als auch den gross angelegten Gesangspassagen instrumentale Klangfarben und epische Breite. Diszipliniert begleitet er am Cembalo in den mannigfaltigen Rezitativen und folgt in den Einsätzen den Sängern. Kammermusikalisch bleibt das Orchester im Hörerlebnis auf Originalinstrumenten. Viel Applaus vom Publikum.

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