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Waldweben Tiroler Symphonieorchester Innsbruck 20.2.2026 Congresszentrum Innsbruck
Breite Romantik im Innsbruck
Ungewöhnlich beginnt dieses 4. Abonnementkonzert des Tiroler Symphonieorchester Innsbruck mit symphonischen Ausschnitten aus der Tetralogie Ring des Nibelungen von Richard Wagner. Ist dies als Ambition des Dirigenten Gerrit Prießnitz zu werten, das monumentale Bühnenwerk an das Tiroler Landestheater zu bringen, dessen musikalischer Leiter er seit 2024 ist.
Die ausgewählten Orchesterstücke repräsentieren tragende Szenen der Handlung. Der Einzug der Götter in Walhall ist das Schlussbild des Vorabends "Das Rheingold". Sehr massiv und kräftig, nahezu ein Aufmarsch ist die Erscheinung der Götter und ihr Einzug für den deutschen Dirigenten. In seiner Interpretation steckt Macht und hoheitsvoller Antritt, weniger erkenntlich ist die Transparenz verschiedener Motive, die Wagner in dieser Szene verarbeitet hat. Im Waldweben ist die Entwicklung des Komponisten klar erkennbar. Nahezu zwei Jahrzehnte ruhte seine Arbeit an seinem Mammutwerk gerade an dieser Stelle. Der große Held Siegfried hat den verfluchten Ring im Kampf mit dem Drachen mit seinem Schwert Notung erorbert. Ein Tropfen von dessen Blut ermöglicht ihm die Vogelstimmen zu verstehen. Nahezu impressionistisch sind die Tongebilde, die hier Wagner musikalisch vollendet aufbaut und vom Symphonieorchester ausgefeilt mit perfekten Soli der Bläser wiedergegeben werden. Aus der Götterdämmerung, dem letzten Abend des Zyklus bauen sich wiederum Naturstimmungen in der Morgendämmerung und Siegfrieds Rheinfahrt bildhaft auf. Doch das drohende Ende schimmert durch. Wieder erfreuen die Musiker des Tiroler Symphonieorchesters in großer Besetzung mit Spielfreude und harmonischem Zusammenspiel.
Johannes Brahms ist einer der wenigen Zeitgenossen und Kollegen von Richard Wagner, der dessen bahnbrechendem Einfluss nicht erlegen ist. Brahms vertritt die Hochromantik ganz in der klassischen Tradition und ist ein Meister der Harmonien. Sein zweites Klavierkonzert B-Dur op. 83, 1878 entstanden, nimmt mit vier Sätzen symphonische Züge an. Doch die prägnante Dominanz des Solisten bestimmen die Wirkung, die Jachong Park am Flügel technisch ausgereift zum Ausdruck bringt. Dem imposanten Tastenzauber fehlt an mancher Stelle Innigkeit und gefühlvolle Wärme. Kennzeichnend für das Werk ist auch der intensive Dialog des Soloinstrumentes mit dem Orchester, mitunter auch solistisch. Besonders reizvoll ist dies im dritten Satz mit dem fein und sehr gefühlvoll gespielten Cellosolo.
Viel Jubel und große Begeisterung am Ende für dieser mitreißend ausmusizierten Aufführung, die mit einer Zugabe von Robert Schumann durch den Solisten belohnt wird.
Dr. Helmut Pitsch
22. Februar 2026 | Drucken
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