Barocke Frische in Cimarosas „Matrimonio segreto“ in Martina Franca

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Martina Franca ist ein Kultur und kunsthistorisches Zentrum im Süden Apuliens. Mit besonderen Steuer- und Zollprivilegien ausgestattet entwickelte sich die Stadt seit ihrer Gründung 1300 durch Philipp von Anjou prächtig. Die Familie Caracciolo prägte das Leben in der Stadt bis ins 19. Jahrhundert. Landwirtschaft und Viehzucht in den großen befestigten Gutshöfen rund um die Stadt führten zu Reichtum. Das geschlossene Barockensemble in der Stadt gibt Zeugnis. Seit 45Jahren findet in Martina Franca das Festival Valle d’Itria statt. Musik des Barock, insbesondere unbekannte oder selten gespielte Opern prägen das Programm. Gespielt wird im großen Innenhof des Palazzo Ducale, in Gutshöfen sogenannte Masserie, und in Kirchen.

Domenico Cimarosa war ein bedeutender Komponist und Lehrer im ausgehenden 18. Jahrhundert. Bis an den Hof Katharina der Großen führte ihn seine Tätigkeit. Seine bekannteste Oper „Il matrimonio segreto“ wurde 1802 im Burgtheater in Wien uraufgeführt . Dort wirkte er mehrere Jahre am Hof Leopold II. Die Handlung ist typisch geprägt von Verwirrungen und Intrigen und läuft spritzig witzig rasant ab. Carolina hat heimlich Paolino, den Sekretär ihres Vaters Signor Geronimo geheiratet. Der will seine ältere Tochter Elisetta mit dem Conte Robinson vermählen. Der jedoch verliebt sich auf den ersten Blick in Carolina. Als nun auch noch Geronimos Schwester Fidalma Paolino heiraten will ist das Chaos im Haus perfekt. Aber wie so oft in barocken Dramen löst sich alles in Wohlgefallen auf.

Altmeister PierLuigi Pizzi hat die Regie, Bühne und Kostüme dieser Neunszenierung übernommen und in gewohnt ästhetischer und klar geordneten Weise umgesetzt. Drei offene ineinander übergehende Räume mit hellen modernen Möbeln stellt das Bühnenbild dar. Sechs Türen führen zu den privaten Räumen der Hauptdarsteller, links die Damen rechts die Herren. Das durchgängig junge Sängerensemble tourt geschäftig in dem modernen Apartement. Marco Filippo Romano spielt den gesetzten Signor Geronimo, der sich im hellen Baumwollanzug noch sehr munter und cool bewegt. Stimmlich ist der Bariton breit angelegt und seriös, farblich zeigt er wenig Flexibilität. Maria Laura Iacobellis ist seine kapriziöse Erstgeborene Elisetta. Kokett und kräftig ist Ihr Sopran, klar und sauber in der Höhe. Fein setzt sie sich zu Benedetta Torre als ihre brave warmherzige Schwester Carolina ab. Diese überzeugt mit einem weichen wohl phrasierten Sopran. Mit lyrischer Ausdruckskraft, ausgeschmückten Melodiebögen beteuert sie ihre Unschuld und bittet um Vergebung. Am Ende findet ihre Liebe und heimliche Heirat mit Alasdair Kent als Paolino die Zustimmung aller. Kent’s Tenor ist lyrisch, samten unterlegt und würzt seinen Ausdruck mit feinen Nuancen. Für Dramraik fehlt im ausreichende Stimmkraft. Die bringen Ana Victoria Pitts als Fidalma und Vittorio Prato als Conte Robinson beide überzeugend ein. Am Pult mischt Michele Spotti das Orchestra del Teatro Petruzzelli di Bari gehört auf und treibt sie zu konzentriertem flotten Spiel an. Fein ausgewogen ist das Volumen, die Sänger werden nicht bedrängt sondern wohlgefällig begleitet und untermalt. Arien und Rezitative fließen ohne Abgrenzungen. Der Regisseur beweist in der Personenführung sein Gespür für zwischenmenschliche Beziehungen und Gesten, erzeugt Situationskomik und Frische. Der Dirigent folgt und malt musikalisch aus. Begeisterte Zustimmung aus dem Publikum.

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