Ballettwoche München- Das Bayerisches Staatsballett zählt zur internationalen Spitzenklasse

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Common Ground Bayerisches Staatsballett 29.3.2026

Ballettwoche München- Das Bayerisches Staatsballett zählt zur internationalen Spitzenklasse

Das Bayerische Staatsballett eröffnet seine alljährliche Ballettfestwoche mit einem neu einstudierten Dreiteiler mit dem Titel Common Ground. Die drei Werke des Abends teilen eine Verbundenheit mit dem Nederlands Danse Theater in Den Haag. Dort wurden die Schöpfungen uraufgeführt und die drei Choreographen wirkten als Tänzer als auch Choreographen dort.

Am Beginn steht Alexander Ekmans Cacti, 2010 uraufgeführt zur Kammermusik von Haydn, Beethoven und Schubert sowie einem Sprechtext von Spenser Theberge, einem Solotänzer der Compagnie der Uraufführung. Die Instrumentalisten bewegen und spielen auf der Bühne. So intensiviert sich das Wechselspiel von Tanz und Musik. Laut Programm sollen die Mechanismen des Kulturbetriebes hier auf den Prüfstand gestellt werden, vielmehr erlebt der Betrachter einen Intensiven Schlagabtausch in atemberaubender Geschwindigkeit von Bewegungen, Aufstellungen und grossflächiger Raumausnutzung und Gestaltung der optischen Perspektive. Podeste und Kakteen in Töpfen sind zusätzliche Gegenstände, die in den raschen Ablauf eingebaut sind. Tanz wird hier an die Grenze von Tanztheater und Akrobatik bis Sport gesetzt. Die Tänzer trommeln, springen, im Spotlight erinnern Einlagen an asiatische Kampfsportszenen.

Zentral und in seiner Kreativität mitreißend ist ein Pas de deux zu einem Sprechtext, der die offengelegten Gedanken der beiden Tänzer zur unterlegten Musik macht. Das Staatsballett ist zumeist in voller Größe im Einsatz und zeigt sich in diese optisch effektvollen Komposition von Agitation und Tanz hochkonzentriert, bestens vorbereitet und trotz der hohen Anforderungen mit überzeugender Spielfreude und Lockerheit.

Bei Johan Ingers Opus Impasse - zu deutsch als Sackgasse übersetzbar - aus 2020 wirkt die Musik des Libanesen Ibrahim Maalouf und Amos Ben-Tal spürbar als grüner Faden der Choreographie, die sehr harmonisch und weich Melodie und Rhythmus umsetzt. Gestalterisch spielt Inger mit der Verkleinerung des Raumes. Leuchtstoffröhren bilden ein Haus, welches immer kleiner wird. Aus der Tür treten drei Tänzergruppen, die in unterschiedlichen Kostümen unterschiedliche Tanzkulturen abbilden und sich doch verschmelzen. Es ist ein feinsinnig unaufdringlich positiver Handlungsablauf, sofern dies beabsichtigt ist. Wiederum wird von den Tänzern und Tänzerinnen modernes Ballett auf höchstem Niveau vorgeführt, hohe Musikalität und technische Perfektion fließen gekonnt ineinander.

Den Abschluss bildet Bella Figura von Jiri Kylian. Die 1995 uraufgeführte Choreographie wurde bereits mehrfach in München gezeigt und besticht immer wieder in ihrer Schlichtheit wie ideenreich ausgefertigten Tanzkultur. Modernes Ballett vollführt hier eine „Reise durch Zeit, Raum und Licht“ wie es Kilian beschreibt und auch umsetzt. „Einen guten Eindruck“ - wie eine deutsche Übersetzung lauten könnte, ist eine Abfolge von Pas de deux, Figurentheater, Soli sowie Tutti zu ausgewählten Musikstücken des Barock. Immer wieder verdichtet sich die Bühne zu Ausschnitten und lenkt so den Betrachter in intime tänzerische Szenen. Ausdruckstanz setzt gefühlte Regungen wie Angst und Emotionen in starke Bilder, kantige Formationen lösen sich in fließende und zerfließende Bewegungen.

Das Bayerische Staatsballett demonstriert in diesen drei sehr unterschiedlichen Kreationen, jede für sich in ihrer Ausarbeitung ein Modell modernen Tanztheaters, das hohe Niveau und die außerordentliche Qualität seiner Compagnie. Jung und sehr professionell präsentieren sich die Mitglieder.

Große Begeisterung im ausverkauften Nationaltheater.

Dr. Helmut Pitsch

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