Attila in Parma viel Verdi mit grossem Chor und kleinen Stimmen

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Im 5. Jahrhundert erobert der Hunnenkönig die italienische Halbinsel. Der Untergang der Hochkultur des römischen Reiches durch die wilden Barbaren ist besiegelt. Der Bezug des Librettos von Temistocle Solera und Francesco Maria Piave zur Aktualität des italienischen Einheitsprozesses machte diese Oper von Giuseppe Verdi zum politischen Drama und den Komponisten zum verehrten Volkshelden. Die inneren Konflikte der Römer gegenüber dem Usurpator Attila hatten ihre aktuelle Parallelität in den unterschiedlichen Interessen der verschiedenen italienischen Kleinstaaten gegenüber den herrschenden Habsburgern zur Zeit der Entstehung des Werkes. Die Uraufführung fand 1946 im traditionsreichen Teatro La Fenice in Venedig statt. Die politische Brisanz fehlt in Zeiten der politischen italienischen Einheit, so bedarf die Spannung entsprechender Ideen in der Umsetzung. Andrea de Rosa arbeitet für seine Inszenierung mit viel Licht, Stoff und wenig Requisiten. Effektvoll stürzt im Vorspiel die Stadtmauer von Aquilea ein, sinnbildhaft für das römische Reich. Attila der Hunnenkönig tritt im eleganten Mantel mit Pelzkragen auf. Die Kostüme schuf Alessandro Lai und macht es dem Zuschauer nicht einfach Hunnen und Römer zu unterscheiden, aber es half dem Chor schnell die einzelnen Rollen ohne grosses Umkleiden wahrzunehmen. Die historische Zuordnung des Outfits ist schwierig und reicht vom Beginn der Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert. Mit schillernd weißer Pracht beeindruckt der Auftritt des Papstes als Wahnvorstellung des Hunnenkönigs. Auf Stoffbahnen werden immer wieder Naturstimmungen projiziert, um Wolken und Wälder darzustellen. Hinter einer ausgeleuchteten Stoffbahn wird auch die Rache Odabellas an Attila sichtbar, mit dem Hunnenkönig fällt auch diese in sich zusammen und das römische Volk jubelt. Immer wieder mischt sich der Chor mit grossen Volksszenen ins Geschehen ein und übernimmt raumfüllend einen grossen Teil der Handlung ein. Man merkt an diesem Abend, daß hier fleißig geprobt und einstudiert wurde. Chorleiter Martina Faggiani hat hier ganze Arbeit geleistet und Gianluigi am Pult nutzt das schamlos für seine Effekte aus. Auch im Orchester erkennt der Zuhörer Präzision und harte Probenarbeit. Eist im versammelten Forte mit ausreichend Steigerungspotential läßt der Maeatro die Muskeln spielen. Sportlich, aber ausbalanziert im Tempo feuert er Musiker und Sänger an. Kampfeslustig und wehrhaft erscheinen die Soldaten, entschieden und standhaft im Glauben das besiegte Volk, vornehmlich die gestrandeten Kriegsbräute mit ihren Kindern. An der Rampe aufgestellt beschallt der große Chor immer wieder den Zuschauerraum des Teatro Regio di Parma. Aus dem Orchestergraben schmettern Hörner und verzaubern Streicher. Für die Sänger heißt es hier in Schwung und Kraft mitzuhalten, wobei der Dirigent achtsam das Orchester immer rechtzeitig zurücknimmt. Riccardo Zanellato gelingt dies am Besten in der Titelrolle. Sein Bass hört sich weich und geschmeidig an, akzentuiert in der Melodieführung und ermöglicht Varianten im Volumen. Maria Jose Siri benötigt eine längere Aufwärmphase bis ihr Sopran Strahlkraft und Sicherheit gewinnt, klingt aber unrein und schleppend in den Höhen. Vladimir Stoyanov hat die Töne und Breite in seiner Stimme für die Rolle des Ezio, aber es fehlt ihm an Fülle und Farbe, so wirkt er ohne Überzeugungskraft in seinem dicken Militärmantel. Francesco Demuro singt seinen Foresto am Anschlag, gepresst und mit Druck, aber sicher in den Höhen. Das zahlreich erschienene Publikum im gut besuchten Theater wird vom Schwung und Einsatz aller mitgerissen und spannungsreich in seinen Bann gezogen. Viel Applaus und Begeisterung am Ende.

Helmut Pitsch

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