300 Jahre Leopold Mozart - Salzburg würdigt seinen Bürger

Xl_1d04c26c-f90c-45e5-8c86-f0f166004e4b © Mozart Museum Sammlung Leopold

300 Jahre Leopold Mozart Salzburg würdigt seinen Bürger, facettenreich in einer Ausstellung und Festkonzert als musikalische Entdeckung. Leopold Mozart, 1719 in Augsburg als Sohn eines Buchbinders geboren, ist sicherlich weltbekannt, aber nur als gestrenger Vater und Förderer seines Sohnes, dem Wunderkind und Genie Wolfgang Amadeus Mozart gewürdigt. Nunmehr widmet das Mozarteum in Salzburg der vielseitigen und eindrucksvollen Persönlichkeit "Leopold Mozart" eine umfassende Ausstellung und ein Festkonzert zu seinem 300. Geburtstag.

Mit 18 Jahren kommt der vielseitig gebildete Leopold Mozart an die Universität nach Salzburg, um Philosophie zu studieren. Nach zwei Jahren wird er von der Universität als Schwänzer des Physikunterrichts quasi rausgeworfen. Derweilen zieht es den jungen Schwaben zur Musik und er tritt eine Stelle beim Hoforchester an. Bis zu seinem Tod in 1787 nimmt er sehr aktiv am Salzburger Musik- und Gesellschaftsleben teil. Er bekleidet verschiedene Positionen im Hoforchester, ist ein eifriger Komponist, ein schlauer Wirtschaftler, und vor allem ein fleissiger Briefeschreiber, was eine fundierte Rekonstruktion seines Lebens ermöglicht. Gerade diese Vielschichtigkeit seiner Persönlichkeit beleuchtet die Ausstellung mit vielen Objekten zum Teil auch wertvollen Originalen. Geehrt wird besonders aber der Musiker und Komponist Leopold Mozart. 1756, im Geburtsjahr seines Sohnes Wolfgang Amadeus Mozart, gibt er das erste umfangreiche Werk einer Violinschule heraus. Diese ist bis heute bei vielen renommierten Musikern bekannt und beliebt. Schon zu Lebzeiten wurde sie ins französische, holländische und russische übersetzt. Seine beiden Kinder Maria Anna, "Nannerl" und Wolfgang Amadeus wurden nach ihr musikalisch ausgebildet.

Von seinen Kompositionen sind viele verschollen, aber über 250 Werke können immer noch ihm zugeordnet werden. Zum Teil hat er die Partituren selbst gestochen. Meist waren es kirchliche Gelegenheitswerke, aber auch Symphonien, Solistenkonzerte und Serenaden sind erhalten, eine Kostprobe wird im Rahmen des Festkonzertes im grossen Saal des Mozarteums geboten. Die Symphonie B -Dur wird nunmehr Leopold Mozart zugeschrieben, nachdem sie lange Zeit als KV 17 als Jugendwerk seines Sohnes galt. Umso mehr erkennt man aus dieser Tatsache, dass Leopold Mozart grossen Einfluss auf die Kompositionstechnik seines genialen Sohnes hatte und ebenso an der Wende des Barock zur Klassik angesiedelt ist. In der Satztechnik ist noch die barocke Verwurzelung erkennbar, in der Leichtigkeit der Melodieführung und Instrumentierung lässt sich die Klassik erahnen.

Der Dirigent Andreas Sperling ist erfahren im Umgang mit Originalinstrumenten und sowohl der barocken und klassischen Aufführungspraxis. Die Camerata Salzburg führt er mit klarer Ansage und stringenter Stabführung, schwungvoll und frisch. Im dreisätzigen Konzert Es Dur für zwei Hörner und Orchester bleibt es tänzerisch temporeich und endet mit einem barocken Jagdgesang. Wie im barocken Concerto grosso üblich lässt er die zwei Solostimmen mit dem Orchester gleichgestellt virtous parlieren. Auch der Sohn erklingt in einem ausgefallenen selten gespielten Werk, welches noch sehr am Barock angelehnt ist, sein Gallimathias musicum KV 32. Dieses Quodlibet entstand während einer der vielen Reisen des jungen Mozarts zu den verschiedenen Herrscherhöfen in Europa. Dabei handelt es sich um eine Kuriosum. Siebzehn Einzelstücke sind aneinandergereiht und beinhalten Anspielungen auf Volksweisen, Hymnen als auch einen spezieller Gesang für den holländischen Prinzen. Als musikalischer Unfug tituliert stellt es auch ein Typicum für die barocke Hofmusik dar, in der die Musiker professionelle Spässe unter- und miteinander lieferten. Dies versucht die Camerata Salzburg zu demonstrieren und hat sich ein paar Gags einfallen lassen. Die Musiker stimmen da im Gesang mit ein, bewegen sich im Spiel von der Bühne und kommen wieder zurück. Sehr zum Wohlgefallen des Publikums aber auch lehrreich um mehr Verständnis für den Umgang am barocken Hofe zu spüren. Es gehört hier viel,Können und Konzentration dazu, Spass und Perfektion zu vereinen. Nach der Pause gelangt wohl Leopold Mozart reifstes und bekanntestes Werk zur Aufführung, die Serenade D - Dur aus dem Jahr 1762. Durch den Erfolg seines Sohnes kam der Vater immer weniger zum Komponieren und widmete sich dem Management dessen Karriere. In der neunsätzigen Serenade baute er zwei kleine Solistenkonzerte ein, zwei Sätze für Trompete und drei für Posaune, die auch separat immer wieder zur Aufführung gelangen. Die Solisten auf Originalinstrumenten werden gefordert und meistern die anspruchsvolle Partitur mit Treffsicherheit im Ton und langem Atem.

Das Publikum zeigt seinen grossen Gefallen an dieser musikalischem Entdeckungsreise und bedankt sich mit einem langen Beifall und hoher Anerkennung für die Musiker. Bleibt noch den Festrednern zuzustimmen, dass es sich lohnt, sich mit Leopold Mozart auseinanderzusetzen und dass ihm auch ein sein eigener Platz, seine eigene Anerkennung in dieser Ausstellung in Salzburg zusteht und nicht auf die Vaterrolle beschränkt werden darf.

Dr. Helmut Pitsch

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