Friedrich, Dix, Sherman - Hamburg zeigt sich als attraktive lebendige Kunststadt im Norden

Xl_caspar_david_friedrich_wanderer__ber_dem_nebelmeer_um_1817 © Kunsthalle Hamburg

Hamburg zeigt sich als attraktive lebendige Kunststadt im Norden 

Besuch der Ausstellungen

Caspar David Friedrich - Kunsthalle

Otto Dix - Deichtorhallen 

Cindy Sherman - Sammlung Falckenberg 

Hamburg ist stolz auf seine Kunstmeile. Mit der Elbphilharmonie hat die Stadt eine architektonische Marke gesetzt und einen international anerkannten vielbesuchten Konzertsaal errichtet. Mit der Kunstmeile will die Stadt sich auch in den darstellenden Künsten positionieren und attraktiv machen.

Leuchtturm ist die alteingesessene Kunsthalle, die derzeit mit einer großen Caspar David Friedrich Ausstellung wahrlich Massen anlockt. Der 1774 in Greifswald, damals Schwedisch, geborene Maler ist ein zentraler Künstler der deutschen Romantik und Wegbereiter der Moderne.  In Kopenhagen ausgebildet, widmete er sich in frühen Jahren der Zeichnung und Radierung mit höchster realistischer Präzision. Zumeist sind es Pflanzen, Blumen und Landschaftsstudien. In zahlreichen Reisen und insbesondere Wanderungen begegnete er der Natur und erschloss sich An- und Aussichten als Kunstmotiv. Besonders augenfällig etabliert er den Menschen in der und als Beobachter der Natur.

230 Werke umfasst diese Ausstellung und ist in drei Teile gegliedert. Das Schaffen von Friedrich ist umfassend in Teil eins in zumeist beengten Räumlichkeiten mit all seinen Meisterwerken gut beschrieben ausgestellt. Caspar David Friedrich ist eine Schlüsselfigur der romantischen Kunst.  Mit seinen stimmungsvollen und einprägsamen Bildern hat er unsere Vorstellung von dieser Epoche und der Welt maßgeblich geprägt. Politische Inhalte sowie religiöse Sinnstiftung verpackt er in symbolische Kompositionen wie die Ruine Oybin oder Huttens Grab. 1835 erlitt er einen Schlaganfall, der sein weiteres Schaffen einschränkte. 1840 stirbt er in Dresden.

In Teil zwei und drei gibt es den Versuch die konzeptionelle Größe des Romantikers in der zeitgenössischen Malerei zu spiegeln. Ausgehend von der ersten Caspar David Friedrich Ausstellung nach dem Krieg 1974 in Hamburg kam es zu dessen Durchbruch und auch Entkoppelung des schädlichen Rufes eines „Nazikünstlers“. Die moderne „Romantik“ zitiert Friedrichs Bilder, teils nähern sie sich romantischen Ideen und Motiven in einem weiteren Sinne bis zur Kopie in den Fotografien von Hiroyuki Msuyama. Verschiedene Versuche des Umbruches und der Krise des Verhältnis Menschen - Natur werden in unterschiedlicher Qualität von unterschiedlichen Künstlern gezeigt. Der wahre Mehrwert dieses wild anmutenden Querschnittes bleibt trotz Erläuterungen verschlossen.

In nächster Nähe zeigen die Deichtorhallen als Ausstellungsfläche zeitgenössischer Kunst eine spannende Ausstellung Otto Dix und die Gegenwart. Der 1891 geborene Maler ist ein wichtiger Vertreter des neuen Realismus, der den berüchtigten goldenen Zwanzigerjahren Berlins ein Gesicht gab. Mit seiner neuen Sachlichkeit wurde er 1933 zum entarteten Künstler und begab sich in die innere Emigration. Ein Auswuchs derer ist seine Rückkehr zu den Altmeister sowie zu den Surrealisten. Interessant ist hier auch die Nähe zu den Werken Friedrichs oder Breughels.

Den Gegenwartsbezug verkörpern sachkundig ausgewählte Werke von Anselm Kiefer, Georg Baselitz bis zu Ernie Barnes oder Almut Heise. 

Ergänzend lohnt in jedem Fall bei einem Aufenthalt in der Hansestadt der Besuch der Sammlung von Harald Falckenberg (1943 2023 ) im Vorort Harburg.  In einer ehemaligen Gummifabrik wurde eine ansprechende moderne Ausstellungsflache mit ca 5000 qm über drei Ebenen geschaffen. Die Sammlung umfasst 2500 Werke und wird in Kooperation mit der Stadt Hamburg und den Deichtorhallen bespielt. 

Dort begeistert aktuell eine Präsentation der fotografischen Werke Cindy Shermans aus dem Zyklus Anti Fashion. Die Arbeiten sind über mehrere Jahrzehnte entstanden und versinnbildlichen die Auseinandersetzung der angesagten Künstlerin mit der Mode. Über Jahre arbeitete sie für verschiedene Modehäuser und Zeitschriften wie Vogue oder Harpers Bazaar. Immer wieder begeistert die Vielseitigkeit und Verwandlungsfähigkeit der Künstlerin als auch Ihre gesellschaftskritische Aussage in charmanter Verpackung . Verblüffend wirken auch Reminiszenzen an die Ausstellung von Caspar David Friedrich und dessen Darstellung des Menschen in der Natur.

Ein spannender lohnenswerter Museumstag mit vielen neuen Erfahrungen gepaart mit der gediegenen Athmosphäre der altehrwürdigen Hansestadt machen Lust auf weitere kulturelle Begegnungen. 

Dr. Helmut Pitsch

 

 

 

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