Berlin: eine farbenfrohe Jahreszeit mit wechselnden Schauplätzen

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Endlich ist sie fertig - die Staatsoper Berlin kehrt am 3. Oktober nach Unter den Linden, der Prachtstrasse Berlins, zurück. Die noch anstehenden Arbeiten sollen bis Dezember fertig sein, denn ab dann wird das Haus seine normale Funktion aufnehmen. Opera-Online wird sie über die neue Theater und Musik- Saison und was sie ihren Zuschauern zu bieten hat auf dem laufenden halten, vom Programm der Staatsoper zu den vielen anderen Sälen dieser einzigartigen Weltstadt.

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Staatsoper Unter Den Linden

Am 3. Oktober wird die Wiedereröffnung der Staatsoper allerdings nicht mit einer Oper begangen, sondern mit den Szenen aus Goethes Faust von Schumann. Die Inszenierung stammt von Jürgen Flimm, der das Haus seit 2010 leitet, in Zusammenarbeit mit dem bildenden Künstler Markus Lupertz.

Das Orchester wird, wie es sich gebührt, vom lokalen Maestro, Daniel Barenboim geleitet.

Auch wenn es sich nicht um eine Oper direkt handelt, werden die Liebhaber schöner Stimmen auf ihre Kosten kommen, denn die beiden Stammgäste der Berliner Bühne, RenéPape und Roman Trekel werden mit einer der vielversprechendsten französischen Stimmen, Elsa Dreisig, gemeinsam auftreten. Sie ist ein künftiges Mitglied des Staatsoper- Ensembles. Das Opernensemble Berlin baut seinen Ruf nicht auf kleine Rollen: sie wird in den neuen Produktionen des Hauses Violetta, Pamina oder Eurydike von Gluck in ihr Repertoire aufnehmen.

Ein weiterer Fixpunkt der Staatsopernsaison, ist das kurze, aber prestigeladene Osterfestival, das diesmal einen neuen Falstaff präsentieren wird, unter der Regie von Mario Martone und das Orchester unter dem Baton von keinem Geringeren als Maestro Barenboim. Nadine Sierra und Maria Agresta werden zu hören sein, aber vor allem die Besetzung der Hauptrolle mit dem tiefgehenden und einfallsreichen Michael Volle wird Fallstaff neu stimulieren. Barenboim wird mit Parsifal in der Fassungvon Dmitri Tcherniakov eines der Werke erneut auf die Bühne bringen, an dem ihm ganz besonders gelegen ist. Übrigens beweist Barenboim erneut seine Begeisterung für die Arbeit Tcherniakovs an Wagner, denn er hat ihn für den kommenden März  eingeladen, diesmal fürTristan, mit Andreas Schlager und Anja Kampe-zu erschwinglicheren Preisen als beim Osterfestival.

Das internationale Publikum wird auch noch zu einem weiteren Opernevent anreisen – Macbeth dirigiert von Daniel Barenboim undunter der Regie von Harry Kupfer. Und wenn das nicht genug ist, um den Saal zu füllen,  werden Placido Domingo und Anna Netrebko in den Rollen des mörderischen Paares das Ihre tun. Eintrittskarten werden erst ab 7. Oktober angeboten, also schnell an den Computer!

Die neueröffnete Staatsoper ist mit zwei anderen Häusern in einer Opernstiftung verbunden, mit dem Ziel einer besseren Programmabstimmung und Koordination der Aktivitäten unter den lyrischen Theatern Berlins. Die Deutsche Oper war zur Bauzeit Unter den Linden mit der Staatsoper benachbart, da die Staatsoper in einem Theater nur wenige Schritte entfernt, untergebracht war. Die Deutsche Oper wird von nun an wieder im Berliner Westen ihre Vorherrschaft anstreben. Dort wird das grosse Repertoire zur Aufführung kommen, mit verschiedenartigen Besetzungen und Bühnenbildern, und es werden sich die heimischen Kräfte mit internationalen  Größen abwechseln (Anja Harteros in Lohengrin, aber nur für einen Abend!). Die beiden grossen Momente, die für die neue Saison angekündigt sind, ist einerseits eine Weltpremiere von Aribert Reimann der, nach Debussy und Dukas, nun auch Maeterlink in Musik transponiert, und die Weiterführung eines Zyklus, der Meyerbeer gewidmet ist. Diesmal ist es Der Prophet mit Gregory Kunde und Clémentine Margaine. Zu den übrigen Produktionen gehören Raritäten, wie Erich Wolfgang Korngolds Die Reise nach Reims und Das Wunder der Heliane, und zwei sichere Titel, Carmen und Die Fledermaus (inszeniert von Rolando Villazon!), beide ohne besonderen Glanz: das Haus baut auf kommerziellen Erfolg und verlässt sich auf ein risikoloses Repertoire, was sich auch in der nächsten Zeit nicht so schnell ändern wird.


Komische Oper Berlin (2007)

Die Komische Oper hat ihr eigenes Profil und wird auch in Zukunft nicht unter der Konkurrenz leiden.

Zwar keine grossen Namen, aber ein aussergewöhnliches Repertoire mit gewagten Regien, die auf ihr eigenes Publikum zählen können. A propos Werke des 20. Jahrhunderts: Der Choreograph Sidi Larbi Cherkaoui bearbeitet das monumentale Werk Satyagraha von Philip Glass, der hauseigene Maestro, Barrie Kosky hat das erschreckende und dennoch heitere Werk Die Nase von Schostakowitsch in Angriff genommen. Diese Komische Oper, die nicht mit dem Budget grosser Häuser wirtschaften kann, getraut sich auch an Werke wie Die Gezeichneten von Franz Schreker heran, die immer häufiger aufgeführt werden, aber schwer verständlich sind. Was kann ein Calixto Bieito daraus machen? Es gibt aber auch ein traditionalles Repertoire, wie der phantastische Don Giovanni, von Herbert Fritsch zeitnah inszeniert, oder Die Zauberflöte mit den Videoprojektionen des Kollektiv 1927. Die wahre Identität der Komischen Oper ist seit Jahrzehnten die leichte Muse, mit dem Hauptaugenmerk auf dem eher unbekannten Berliner Repertoire. In der kommenden Saison wird Offenbach gefeiert, mit einer neuen Produktion von Blaubart: zwar in deutscherSprache, aber die Inszenierung von Stefan Herheim scheint herausfordernd, und die Sorgfalt, die dieses Theater für sein Repertoire aufwendet, ist unübertroffen.

Da dieses Theater vornehmlich am Wochende spielt, werden sich die französischen Opernbesucher hier wie zuhause fühlen.

Dominique Adrian

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