Luisa Miller Große Oper am Gärtnerplatz

Xl_7774c664-ab42-41ea-845a-d89d6a187a5b © Jean Marc Turmes

Giuseppe Verdi Luisa Miller Gärtnerplatztheater München 5.5.23

Kriegerisch und aggressiv ist die neue Luisa Miller am Gärtnerplatz.

Es geht um Liebe, Intrige, Ehre und Heldentod. Friedrich von Schiller lieferte die romantische literarische Vorlage in seinem bürgerlichen Trauerspiel Kabale und Liebe. Der Regisseur dieser Neuinszenierung von Giuseppe Verdi Luisa Miller am Gärtnerplatztheater Torsten Fischer versucht die herrschaftliche Brutaltät und drückenden gesellschaftlichen Zwänge herauszuarbeiten und zeichnet ein kriegerisch kämpfendes Umfeld. Der Chor liegt zur - leider wieder einmal - üppig inszenierten Ouvertüre in Uniform mit Waffen auf der Bühne und wird auf einen großen Spiegel reflektiert. Zwei Kinder, Rudolfo und Luisa, spielen mit einem Kreisel und werden Zeugen der kriminellen Tat durch Rudolfos Vater und Wurm, die sich dadurch Macht und Namen sichern. Einmal aufgestanden marschiert der Chor auf der Drehbühne zum Rhythmus der Ouvertüre. Aktionismus ist groß geschrieben an diesem Abend, zur Liebesarie wird auch nochmal gerockt, Vater Miller inklusive, der in Springerstiefel auch wie uniformiert wirkt. Immer wieder wird schnell und gern ein Revolver gezückt. Am Hof des Grafen erscheinen die feinen Damen in glitzernden langen Roben, Herren im Smoking und so wechselt auch die Szene zurück aufs Land, zum beschaulichen Dorf der Millers.

Die Kostüme und Bühne kreierten Herbert Schäfer und Vasilis Triantafilopoulos. Ein Gemälde des belgischen Symbolisten Fernand Khnopff seiner verehrten Schwester Marguerite ist auf drei mobilen Wänden übergroß gemalt und soll die vergeistigte ehrenhafte Luisa symbolisieren. Die Darstellung im weißen Kleid mit hohem Kragen verkörpert Unschuld und Nachgenklichkeit, aber auch Entschlossenheit und prägt die Charakterzeichnung der Titelheldin. Zum letzten Bild ist es auch auf dem Bühnenboden und wiederum auf dem Spiegel projiziert.

Jeder Protagonist wird vom Regisseur mit einer wohldurchdachten Charakterisierung und Personenregie bedacht. Das rettet die oft wirre unschlüssige Regie, die immer wieder mit Statisten in Uniformen und mit Gewehren durchzogen ist.

Musikalisch ist der Abend Genuss vom Feinsten. Antony Bramall steuert am Pult den Abend mit der richtigen Mischung aus Tempo, Draufgängertum und Romantik. Dazu liefert er Italianita mit trockenem Blech, mächtigen Glocken und dramatisch wuchtigen Chorszenen. Dieser zeigt sich bestens bei Stimme und Spiellaune und ist ausgezeichnet von Pietro Numico einstudiert.

Ensemblemitglied Jennifer O‘Loughlin überzeugt wieder als Luisa mit ihrem sicheren festen bis in die Höhen klar und kräftigen Sopran. Dazu gewinnt ihre darstellerische Leistung Format und Ausdruck. Jenish Ysmanov ist ein weicher vollmundiger Rudolfo, der im Piano feinste Regungen hervorarbeitet. Im Forte wirkt er gepresst und öffnet sich zuwenig. Ein wahrer Hingucker ist Timos Sirlantzis als Wurm mit seinen schwarzen starr gläsernen Augen der schleimig fies seine Intrigen und Fäden zieht. Im Lederoutfit und gegeelten Haar hebt er sich auch von der Eleganz der anderen ab. Dazu geht sein schauspielerisches Talent in der Rolle auf. Auch stimmlich zeigt er sich souverän. Inha Jeong darf als Graf von Walter in mit Orden dekorierter Uniform Autorität ausstrahlen, die er mit seinem strammen Bass verstärkt. Matija Meic berührt mit seinem vollen Bariton etwas dunkel timbriert der in der Höhe und bei Forte seine Kraft verliert. Federica, die Herzogin von Ostheim kriegt durch Anna Agathonos eine gediegene seniore Zeichnung, auch stimmlich.

Viel und langanhaltender Beifall und große Begeisterung beim Premierenpublikum.

Dr. Helmut Pitsch

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